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Medizinstudium 2020 Plus

Medizinstudium 2020 Plus

Medizinstudium 2020 Plus

Die Hartmannbund-Umfrage „Medizinstudium 2020 Plus“, die Mitte November 2014 gestartet und Anfang Januar beendet wurde, hat einen neuen Rekord aufgestellt. Mit mehr als 7.500 Teilnehmern haben so viele Medizinstudierende wie noch nie bei einer Online-Umfrage des Hartmannbundes mitgemacht, die mit 40 Fragen sehr umfangreich war. Die Umfrage befasste sich mit der aktuellen Situation sowie der Zukunft des Medizinstudiums. Hintergrund sind die Pläne der Bundesregierung für den sogenanten „Masterplan Medizinstudium 2020“.

 

Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse der Umfrage

 

1. Praktisches Jahr


75 Prozent aller Befragten können sich vorstellen, dass das Praktische Jahr in Quartale aufgeteilt wird – in zwei Pflichtquartale (Chirurgie und Innere) und zwei Wahlquartale.

Was sagen die Medizinstudierenden des Hartmannbundes dazu?
Die Quartallösung ist sinnvoll und ermöglicht mehr Wahlfreiheit. Die Medizinstudierenden hätten eine Möglichkeit mehr, in ein weiteres Fach „reinzuschnuppern“, und könnten sich so besser entscheiden, in welchem Fach sie mit der Weiterbildung beginnen möchten.

2. Allgemeinmedizin – PJ-Pflichtabschnitt

Beim PJ-Wahltertial liegt die Allgemeinmedizin auf dem 5. Platz. Wären zwei Wahlabschnitte möglich, findet sich die Allgemeinmedizin auf dem 2. Platz wieder.

Was sagen die Medizinstudierenden des Hartmannbundes dazu?
Die Forderung nach einem Pflichtabschnitt in der Allgemeinmedizin muss endlich ad acta gelegt werden. Kein weiterer Zwang im Studium hinsichtlich der Allgemeinmedizin!

Die Frage, wie gut die Allgemeinmedizin an den Fakultäten aktuell aufgestellt ist, wird von den Umfrageteilnehmer unterschiedlich beantwortet. Einerseits bewerten viele den Umfang der Allgemeinmedizin als zu hoch, andererseits hatte ein gutes Drittel noch nie eine regelmäßig stattfindende Lehrveranstaltung in der Allgemeinmedizin und viele erst in den klinischen Semestern.

Was sagen die Medizinstudierenden des Hartmannbundes dazu?
Noch ist die Allgemeinmedizin im Medizinstudium nicht dort, wo sie hingehört – nämlich viel stärker an den Anfang des Studiums und studienbegleitend. Das Fach ist an den Fakultäten bereits auf einem guten Weg, gibt es dort doch bereits zahlreiche Institute bzw. Lehrstühle. Zwar muss die Allgemeinmedizin noch flächendeckend in den Curricula verankert werden, jedoch sollte gleichzeitig die Entwicklung und der Effekt des zweiwöchigen allgemeinmedizinischen Blockpraktikums und der Pflichtfamulatur in der hausärztlichen Versorgung abgewartet werden – beides wurde erst Ende 2013 eingeführt.

3. Einheitlicher Lernzielkatalog/Einheitliche M1-Prüfung

Fast alle Teilnehmer befürworten die Einführung eines bundesweit einheitlichen, für alle Fakultäten verpflichtenden Lernzielkataloges. Einer bundesweit einheitlichen M1-Prüfung stehen mehr als die Hälfte der Teilnehmer aufgeschlossen gegenüber.

Was sagen die Medizinstudierenden des Hartmannbundes dazu?
Das Interesse an einheitlicheren Studienbedingungen scheint unter den Medizinstudierenden sehr groß zu sein. Auch wenn die Individualität der Universitäten wünschenswert ist, sollte das Medizinstudium so ausgelegt sein, dass alle Studierenden – egal, ob in Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern – gleich ausgebildet sind und überall in Deutschland mit den gleichen Voraussetzungen in die Facharztausbildung starten können.

4. Praxisbezug / Patientenkontakt

Viele der Teilnehmer haben erst zu einem sehr späten Zeitpunkt persönlichen Patientenkontakt – ein Drittel der Umfrageteilnehmer erst im 5. Fachsemester. Der Wunsch nach einem früheren Praxisbezug ist sehr groß.

Was sagen die Medizinstudierenden des Hartmannbundes dazu?
Wir sprechen uns bereits seit langem für einen Praxis- und Patientenkontakt zu einem frühen Zeitpunkt im Studium aus. Noch immer lernen die meisten Medizinstudierenden zu spät im Studium und in zu geringem Umfang die „echte“ ärztliche Tätigkeit kennen. Ähnlich den Beispielen einiger Modellstudiengänge sollte der Praxisbezug und der persönliche Patientenkontakt (1:1-Kontakt, Anamneseerhebung, klinische Untersuchung etc.) studienbegleitend möglich sein. Außerdem sollte es mehr Kleingruppenunterricht, mehr interaktive Lehre und noch mehr Wahlmöglichkeiten geben.

5. Promotion/Wissenschaftliche Kompetenz

Viele der Umfrageteilnehmer arbeiten an einer Promotion, viele haben bereits eine abgeschlossen und fast alle wollen dies noch tun. Viele der Befragten sind allerdings der Meinung, dass ihre im Studium erlangten wissenschaftlichen Kompetenzen für die spätere ärztliche Tätigkeit nicht ausreichen werden. Der Anteil von Lehrveranstaltungen zur Stärkung der wissenschaftlichen Kompetenz wird als zu niedrig eingeschätzt. Den Vorschlag des Wissenschaftsrates, eine verpflichtende wissenschaftliche Forschungsarbeit einzuführen, lehnt die überwiegende Zahl der Umfrageteilnehmer ab.

Was sagen die Medizinstudierenden des Hartmannbundes dazu?
So gut wie jeder Medizinstudierende strebt einen Doktortitel an – und dies trotz der Tatsache, dass viele ihre wissenschaftlichen Kompetenzen nicht sonderlich gut einschätzen. Und viele sagen, dass die zeitlichen Möglichkeiten nicht ausreichen, eine fundierte wissenschaftliche Promotion zu schreiben. Hier sollte allerdings nicht mit Pflicht reagiert werden (der Wissenschaftsrat schlägt eine verpflichtende Forschungsarbeit für alle Studierenden vor), sondern sollte den Studierenden die Möglichkeiten geboten werden, eine fundierte wissenschaftliche Arbeit schreiben zu können – wenn sie es wollen. Entsprechend sollte eher auf eine umfangreichere theoretische und praktische Unterstützung der promotionswilligen Studierenden gesetzt werden. Denkbar wären auch mehrere Promotionsmodelle, die sowohl die unterschiedlichen Bedürfnisse der klinischen Forschung und der Grundlagenforschung erfüllen, als auch die unterschiedlichen Interessen der Medizinstudierenden berücksichtigen.

6. Zulassungsverfahren

Egal, ob Regel- oder Modellstudiengang – entscheidend war den Medizinstudierenden bei ihrer Bewerbung, dass sie einen Studienplatz erhalten. Die gute Lehre einer Universität ist zwar wichtig, aber genauso entscheidend ist der Aufbau und Inhalt der jeweiligen Auswahlverfahren an den Universitäten. Geht es um die Zulassungsvoraussetzungen, soll die Abiturnote auch weiterhin Berücksichtigung finden, aber fast genauso wichtig sind Faktoren wie das Persönlichkeitsprofil des Bewerbers, Berufsausbildung und -erfahrungen sowie soziales Engagement.

Ein klares „Nein“ kam von 70 Prozent der Teilnehmer bei der Frage, ob Bewerber bevorzugt werden sollen, die sich bereit erklären, für einen bestimmten Zeitraum als Hausarzt in unterversorgten Regionen zu arbeiten bzw. sich niederzulassen.

Was sagen die Medizinstudierenden des Hartmannbundes dazu?
Im Zulassungsverfahren sollten neben der Abiturnote Kriterien wie das Persönlichkeitsprofil der Bewerber, dessen Vorbildung und eventuell Berufserfahrung, aber auch das soziale Engagement sehr viel stärker berücksichtigt werden. Auch der Hartmannbund spricht sich ganz klar gegen eine „Vorabquote“ aus: Keine Bevorteilung für „freiwillige Landärzte“. Warum? Zu Beginn des Studiums können die Studierenden noch nicht einschätzen, welche Fachrichtung sie später einschlagen wollen und ob sie sich tatsächlich eine Tätigkeit zum Beispiel als Landarzt vorstellen können. Bei diesem Thema müssen andere Lösungen gefunden werden.

 

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Pressesprecher

Michael Rauscher

Tel.: 030 206208-11

Fax: 030 206208-711

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