pageUp
  

Aktuelle Meldungen

26.07.2017 // Wissenschaftsakademien

Berufsdoktorate für Mediziner sollen „echte“ Promotionen ergänzen

Die Wissenschaftsakademien fordern für Mediziner die Einführung von forschungsbasierten Doktoraten mit einem berufsbezogenen Abschluss. Sie sollten ergänzend zu den wissenschaftlichen Promotionen geschaffen werden und diese durch die klare Abgrenzung stärken. Das geht aus der aktuellen Stellungnahme „Promotion im Umbruch“ hervor. Die Mediziner müssten endlich „zielführende Reformen der Dissertationspraxis angehen“, heißt es darin. Würde ein solches Berufsdoktorat eingeführt, „muss der Unterschied der Öffentlichkeit von Politik und Wissenschaft klar und deutlich vermittelt werden“. Den Titel „Dr. med.“ würden dann künftig nur noch Ärztinnen und Ärzte erhalten, die eine tatsächlich wissenschaftliche Arbeit nachweisen können. Für den regulären Studienabschluss würde die internationale Bezeichnung „MD“ („Medicinae Doctor“ beziehungsweise „Medical Doctor“) eingeführt. Zugleich raten die Akademien jedoch davon ab, jenseits der Medizin Berufsdoktorate einzuführen.

Bislang hatte sich vor allem der Wissenschaftsrat kritisch zur Qualität der Promotionen im Fach Medizin geäußert und die Einführung einheitlicher Standards und die Einführung eines Berufsdoktorats gefordert. Ziel der Initiative der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist es, die Qualität der Promotion zu sichern und zu verbessern und somit „die Gefahr ihrer Entwertung abzuwehren“. Diese Gefahr sei dann gegeben, wenn die Promotion „als ein ‚third circle‘, ein ‚dritter Ausbildungsabschnitt‘, eine ‚dritte Studienphase‘ oder ein reines ‚Promotionsstudium‘ oberhalb des zweiten Studienabschlusses auf der MA­-Ebene aufgefasst wird“. Die mentorenbegleitete Individualpromotion dürfe durch solche offenbar zu beobachtende Tendenzen nicht verdrängt werden. Diese sollte zugleich durch eine fachübergreifenden  Angleichung  der  Standards  und  Zulassungsbedingungen,  durch  Promotionskommissionen an den Universitäten und durch die Betreuung der Promovenden durch mindestens  zwei  gleichrangige  Hochschullehrer  aus  verschiedenen  akademischen  Einrichtungen qualitativ gestärkt werden. (stp)

Stellungnahme der Wissenschaftsakademien „Promotion im Umbruch“

Ergebnisse der Hartmannbund-Umfrage "Dr. med. – Heilen ohne Hut?"