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Presse Rheinland-Pfalz

24.04.2010
Landesverband Rheinland-Pfalz will mit Anreizen Arztberuf wieder attraktiver machen

Hartmannbund fordert Bonus für Ärzte in extrem unterversorgten Gebieten

Dramatische Einbrüche in der medizinischen Basisversorgung erwartet die Ärztevereinigung Hartmannbund Rheinland-Pfalz. „Jede fünfte Hausarztpraxis wird in den nächsten fünf Jahren aus Altersgründen in Rheinland-Pfalz schließen - und es findet sich kein medizinischer Nachwuchs", machte Landesvorsitzender Karl Baum auf der diesjährigen Landesdelegiertenversammlung in Mainz deutlich.

 

Niederlassungen auf dem Land attraktiver machen

 

Um die Lücken in der medizinischen Versorgung zu schließen, fordert der Hartmannbund Landesverband Rheinland-Pfalz deshalb Versorgungszuschläge – eine Art Bonus – für Ärzte, die sich in extrem unterversorgten Gebieten niederlassen. „Für Mediziner, die in der ländlichen Basisversorgung tätig sind, brauchen wir verlässliche Einkommen, um den Landarzt wieder attraktiv zu machen", so HB-Vorsitzender Baum. Kommunen könnten durch das Angebot günstiger Praxisräume der Problematik zusätzlich entgegen wirken.

Es dürfe auch nicht sein, dass z.B. ein Erziehungsurlaub finanzielle Nachteile im niedergelassenen Bereich nach sich ziehe, wie dies im Moment der Fall sei. Denn befinde sich eine Ärztin in Familienpause, bestrafe sie das Honorarsystem hinterher mit einem abgestuften Budget. „Hier müssen wir zu familienfreundlicheren und gerechteren Lösungen kommen, um Ärztinnen in der medizinischen Versorgung zu halten", machte der Landesvorsitzende deutlich.

 

MVZ häufig mit Absatz- und Eigeninteressen verquickt

 

Als problematisch sieht die rheinland-pfälzische Ärztevereinigung die staatlich forcierten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Diese seien zum einen keine Alternative für die ländliche Bevölkerung zur wohnortnahen Versorgung. Zum zweiten sei mit Sorge zu beobachten, dass die MVZ zunehmend von Kapitalgesellschaften aus dem Medizinprodukte- oder Krankenkassenbereich betrieben würden, womit eine Verquickung wirtschaftlicher Absatz- bzw. Eigeninteressen einhergehe.

In seinem Bericht zur Lage sprach sich der Landesvorsitzende für die Umstellung auf eine sozial verträgliche Kostenerstattung aus. „Der Patient soll erfahren, wann, wie und weshalb er behandelt wurde. Das schafft auf beiden Seiten Transparenz und führt zu einer faireren Bezahlung", so Baum. Als „intransparent" bezeichnete er das derzeitige Vergütungssystem mit viel zu niedrigen Punktwerten. Auch extrabudgetäre Vergütungen, die nach einem besonderen Schlüssel zugeordnet würden, brächten unterm Strich nicht mehr auf dem Teller. Vor allem die Fachärzte seien durch die Honorareinbrüche „gebeutelt".

 

Festrede von Dr. Enders zu gesundheitspolitischen Problemen

 

Zum Thema „Gesundheitliche Versorgung im neuen Jahrzehnt –Quo vadis?" sprach der Landtagsabgeordnete Dr. Peter Enders (CDU). Große Probleme zeigte der Mediziner in der ambulant ärztlichen und notärztlichen Versorgung der Bevölkerung insbesondere auf dem Lande auf. Hier sei die Landesregierung mit Lösungen gefordert. „Mit Blick auf die Altersstruktur der Ärzte steuern wir wie die Titanic auf einen Eisberg zu", so der CDU-Politiker. Um dem Ärztemangel entgegen zu lenken, forderte Enders die Zahl der Medizin-Studienplätze zu erhöhen sowie Anreize für Niederlassungen auf dem Land zu schaffen. Um den Problemen im Gesundheitswesen generell entgegen zu wirken, sprach sich der Landtagsabgeordnete für eine Abkopplung der Gesundheitsbeiträge von den Lohnkosten aus, eine gerechtere Verteilung der Gelder innerhalb der Ärzteschaft, die Umstellung auf das System der Kostenerstattung sowie ein Überdenken der Mehrwertsteuer für die Pharmaindustrie. Von besonderer Bedeutung sei es, die Prävention sehr viel stärker in der Gesellschaft zu verankern. „Mit präventiven Maßnahmen lässt sich im Gesundheitswesen auf Dauer viel sparen", unterstrich der Gastredner.

Im Rahmen der Landesdelegiertentagung erhielten Sanitätsrat Dr. Eckhard Schüler und Sanitätsrat Dr. Adalbert Orth durch den Landesvorsitzenden die Hildegardis-Treue-Medaille verliehen. Mit der Auszeichnung würdigte der Hartmannbund ihr herausragendes Engagement im gesundheitspolitischen und sozialen Bereich.

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