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Presse Westfalen-Lippe

20.01.2011
Hartmannbund-Landesverbände Nordrhein und Westfalen-Lippe reagieren mit Unverständnis auf Äußerungen von GKV-Chefin:

„Wie erklärt sich Frau Dr. Pfeiffer die Zahlen offener Arztsitze und freier Stellen in Kliniken?"

Der Hartmannbund lehnt die gegenwärtige Tendenz entschieden ab, das deutsche Gesundheitswesen immer wieder durch plakative Schnellschüsse beurteilen und verändern zu wollen. „25.000 Ärzte zu viel“, wie sie Dr. Doris Pfeiffer, die GKV-Chefin, gezählt hat, sei eine emotional basierte, wiederholt bewusst verharmlosende und damit verantwortungslose Fehlbehauptung.

 

 

„Frau Pfeiffer erweckt den Anschein der Oberflächlichkeit und negiert die Realität aus geradezu durchsichtigen Gründen", entgegnet Dr. Klaus Reinhardt, Landesvorsitzender des Hartmannbundes Westfalen-Lippe, „jemand, der in fünf bis zehn Jahren keine öffentliche Verantwortung mehr zu tragen haben wird und sich erklären muss, sollte aus unserer Sicht vorsichtig mit langfristigen Prognosen sein."

 

Die bestehende Bedarfsplanung sei aus Sicht des Hartmannbundes nicht optimal und befinde sich deshalb auf der Agenda der Erneuerung, sie kompensiere aber keineswegs den drohenden Arztmangel.

 

„Betrachtet man die gestiegenen Arztzahlen, müssen auch alle weiteren Faktoren berücksichtigt werden", so Angelika Haus, Vorsitzende des Hartmannbund-Landesverbandes Nordrhein, „Wer ergreift den Beruf? Wo und wie wird er ausgeübt? Wichtig ist: Den gestiegenen Arztzahlen steht vor allem eine deutliche Senkung der geleisteten pro-Kopf-Stunden-Zahl gegenüber."

 

Die in Deutschland mit hohem gesellschaftlichen Aufwand ausgebildeten Ärzte wichen entweder in alternative, nicht-kurative, Berufsfelder aus oder würden im Ausland tätig, wo bessere Arbeitsbedingungen dem Selbstverständnis vom ärztlichen Berufsbild entsprächen und zudem deutlich besser dotierte Arbeitsverträge lockten.

 

Darüber hinaus seien es vermehrt Frauen, die den Arztberuf ergreifen. Auch dies verändere häufig die Ausgestaltung des Berufes durch die Schwierigkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dies habe ebenfalls Auswirkung auf die pro-Kopf-Stunden-Zahl und gehe zu Lasten der vollzeitarbeitenden Kollegen.

 

Der Arztmangel sei nicht nur ein Phänomen der ambulanten Versorgung, präge die Arbeit am und mit dem Patienten auch im stationären Bereich.

 

„Im Klinikbereich sind deutschlandweit ca. 5.000 bis 6.000 ausgewiesene Arztstellen nicht nur unbesetzt, sondern mangels Bewerbern unbesetzbar“, kommentiert der Klinikarzt und stellvertretende Landesvorsitzende des Hartmannbundes Nordrhein Dr. Stefan Schröter und verweist auf die Vielzahl und zunehmende Anzahl von Stellenanzeigen, "wir finden hier kaum Gesuche, sondern Stellenangebote."

 

Dieser Personalmangel führe zu einer Mehrbelastung des vorhandenen ärztlichen und pflegerischen Personals, woraus wiederum Überstunden, Überbelastung und Unzufriedenheit infolge fehlender Möglichkeiten zum tariflich und im Arbeitszeitgesetz vorgesehenen Freizeitausgleich sowie unzureichende Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung  entstünden.

 

 „Der Ärztemangel in den Kliniken ist evident, tagtäglich zu spüren und hat neben der Entscheidung vieler Ärzte gegen eine Tätigkeit in einem deutschen Krankenhaus weitere Ursachen:  Anforderungen europäischer und deutscher Arbeitszeitvorschriften sowie die erhebliche Verkürzung der stationären Verweildauer und die daraus resultierende Arbeitsverdichtung im Rahmen einer an ihre Grenzen stoßenden Ökonomisierung der Abläufe in den Kliniken.“, stellt Dr. Stefan Schröter weiter fest.

 

Die aus der Politik häufig zu vernehmende Forderung nach einer stärkeren Delegation ärztlicher Leistungen auf nicht-ärztliches Personal werde die Probleme nicht lösen können. Der Hartmannbund in Nordrhein und Westfalen-Lippe fordert als wirksame Instrumente vielmehr eine Deregulierung im Sinne von Entbürokratisierung der ärztlichen Tätigkeit sowie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Kliniken und Praxen. Gekoppelt mit einer nachvollziehbaren Honorierung der ärztlichen Leistung, führe dies zu einer Attraktivitätssteigerung des Berufes. Dies seien die systemischen Voraussetzungen für eine hochwertige Versorgungsstruktur im Sinne der Ärzte und Patienten.

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