Presse Westfalen-Lippe
"Studienplatzerhöhung kein Allheilmittel gegen Ärztemangel"
Das NRW-Kabinett erhöht die Zahl der Medizinstudienplätze ab dem kommenden Wintersemester um 1000, hierzu äußern sich die Hartmannbund-Landesverbände in Nordrhein und Westfalen-Lippe kritisch.
Die reine Studienplatzzahlerhöhung sei kein Allheilmittel, man müsse vielmehr die Zugangswege, die Qualität der Lehre sowie die Arbeitsbedingungen für Ärzte hinterfragen.
"40 Prozent der Absolventen eines Medizinstudiums ergreifen nichtkurative Tätigkeiten", so Dr. Klaus Reinhardt, Landesvorsitzender des Hartmannbundes in Westfalen-Lippe, "dies gilt es, ebenso wie eine Abwanderung von Ärzten ins Ausland , mit wirksamen Mitteln zu verhindern."
Aus Sicht des Ärzteverbandes müsse deshalb auch die Abiturnote als alleinige Zugangsvoraussetzung in Frage gestellt werden. Vielmehr sollten soziale Kompetenzen und soziales Engagement als Kriterien hinzugezogen werden; sie könnten verlässliches Indiz dafür sein dass der Studienbewerber im kurativen Bereich tätig sein kann und wird.
Unverzichtbar sei es, die Rahmenbedingungen für ärztliches Wirken zu verbessern, Entbürokratisierung und Befreiung von nichtärztlicher Tätigkeit seien die entscheidenden Faktoren, führt der westfälsch-lippische Landeschef weiter aus. Der Beruf müsse so attraktiv sein, dass sich junge Ärzte für die kurative Tätigkeit entschieden.
"Einzig probates Mittel gegen einen Ärztemangel ist die Verbesserung von Arbeitsbedingungen", unterstreicht die nordrheinische Hartmannbund-Vorsitzende Angelika Haus, "die Schaffung von Studienplätzen wirkt sich frühestens in 10 Jahren aus. Ohne eine qualitative Verbesserung der Lehre ist insofern niemandem geholfen."

