Presse Westfalen-Lippe
"Fragen zur Patientenversorgung bedürfen Disziplin und Sachlichkeit in der Debatte"
Der Hartmannbund in Nordrhein und Westfalen-Lippe hält die Debatte um Honorarkürzungen, Kassenzulassungsentzug und weitere Sanktionen für überflüssig, sie sei ein fatales Signal im Hinblick auf den bestehenden und drohenden Ärztemangel. Der Ärzteverband fordert Disziplin und Sachlichkeit bei Fragen rund um die Patientenversorgung - selbstredend auf allen Seiten.
"Die Äußerungen des AOK-Präsidiums sind unzweifelhaft ein Angriff - auch auf den guten Willen der Ärzteschaft", so Angelika Haus, Landesvorsitzende des Ärzteverbandes in Nordrhein. "Seit Jahren haben die Ärzte es hingenommen, mit ihrem Einkommen einen Realverlust von 50% innerhalb der vergangenen 15 Jahre zu verzeichnen; haben es akzeptiert, dass mit Einführung von Pauschalen eine Abbildung der Leistungsprofile unmöglich wurde, dass kryptische Kalkulationen die Durchführung spezieller Leistungen wirtschaftlich unmöglich machen, dass einerseits die Anspruchshaltung der Versicherten permanent gefördert wurde, dass andererseits aufgrund formaler Vorschriften die Durchführung zahlreicher gewünschter Leistungen erschwert oder unmöglich gemacht wurde."
Budgetierungen (Regelleistungsvolumina) haben zum Zweck, die Kassenarztpraxis nicht auszudehnen und die Kassenarztleistungen gerade nicht auszuweiten.
"Wie begründet sich die Forderung von Politik und AOK, dass Ärzte mehr arbeiten sollen, obwohl sie dann die gesetzlich verankerte Begrenzung überschreiten müssten? Längere Wartezeiten entstehen, wenn Regelleistungsvolumina einigermaßen eingehalten werden", konstatiert Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes in Westfalen-Lippe. "Die Datenbasis des AOK-Chefs ist inexistent, es handelt sich um reine Behauptungen, seine Polemik hilft keineswegs in der Debatte weiter und demotiviert vielmehr die Ärzteschaft. Konstruktiv wären Vorschläge für ein effektives und pragmatisches Kostencontrolling als Ersatz für die durch Krankenkassen selbst veranlasste Überbürokratisierung. Zur Zeit müssen die Kostenträger sich selbst zuschreiben, dass ein Großteil der Zeit eines Arztes nicht für die Patientenversorgung zur Verfügung steht."
Durchschnittsberechnungen sind nach Auffassung des Hartmannbundes generell schwierig zu bewerten, vor allem wenn die Parameter nicht konsentierbar sind. Für den Ärzteverband in Nordrhein und Westfalen-Lippe steht fest: "Freiwillige Selbstbeschränkung unter Verzicht auf unbezahlte Arbeit ist kein Delikt, sondern eine realistische und legitime Handlung."

