Beschlüsse
Arbeitsbedingungen an Kliniken leistungsgerecht und familienfreundlich gestalten
Der Hartmannbund fordert die Klinikträger auf, die Arbeitsbedingungen an ihren Häusern so zu gestalten, dass das ärztliche Berufsbild wieder an Attraktivität gewinnt. Dazu gehören eine leistungsgerechte Vergütung sowie die Planbarkeit und Begrenzung von Bereitschaftsdiensten ebenso, wie alle Maßnahmen, die geeignet sind, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken. Maßnahmen mit dieser Zielsetzung sind nicht nur im Interesse der Kolleginnen und Kollegen an den Krankenhäusern, sondern dienen auch der Bekämpfung des Ärztemangels in der stationären Versorgung.
Begründung:
Sozial verträgliche und planbare Arbeitszeiten sind unabdingbar für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die derzeitige Situation an deutschen Kliniken mit langen Arbeitszeiten und einer hohen Zahl von Bereitschaftsdiensten ist in diesem Sinne kontraproduktiv. Deshalb ist die Anzahl der monatlich zu leistenden Bereitschaftsdienste zahlenmäßig zu begrenzen und der Einsatz zur Bereitschaftstätigkeit rechtzeitig abzustimmen, um den angestellten Ärzten die notwendige Planungssicherheit zu geben. Zur Realisierung familienfreundlicher Arbeitsverhältnisse im Krankenhaus ist auch die Schaffung einer ausreichenden Anzahl von Kindertagesstätten an den Klinken erforderlich, um den spezifischen Betreuungsbedarf sicherzustellen.
Familienfreundlichkeit führt zu höherer Arbeitszufriedenheit, weniger Fehlzeiten, produktiver Beschäftigung, mehr Chancengerechtigkeit, einem schnelleren Wiedereinstieg nach Mutterschutz und Elternzeit und schließlich auch zu einer gesteigerten Attraktivität der kurativen ärztlichen Tätigkeit. Die Möglichkeiten zur Teilzeittätigkeit müssen deshalb gestärkt und auch während der Weiterbildung – einem Lebensabschnitt, in den typischerweise die Familienplanung fällt – gegeben sein. Dies dient auch der Aufrechterhaltung der Qualifikationen und zügigen Fortführung der ohnehin – im Vergleich zu anderen Berufen – sehr langen Aus- und Weiterbildungsphase.
Die leistungsgerechte Vergütung der Klinikärzte ist unverzichtbar, um die anspruchsvolle Arbeit angemessen zu honorieren und die Tätigkeit am Klinikum perspektivisch attraktiv zu gestalten. Hierzu gehören insbesondere auch angemessene Gehaltssteigerungen für Assistenz- und Oberärzte. Ferner müssen praxisnahe Kriterien für die Oberarzteingruppierung festgelegt werden.
Eine angemessene Vergütung verhindert die Abwanderung hoch qualifizierter Fachkräfte ins Ausland und stärkt damit den Standort Deutschland. Leistungsgerechte Bezahlung ist damit auch eine Investition in die Zukunft.
Potsdam, 29. Oktober 2011

