Presse Baden-Württemberg
Rinkel: Ohne Gegensteuerung droht der Kollaps
Die Ursache dieser Entwicklung sieht Rinkel nicht nur im allgemeinen Ärztemangel, sondern vor allem auch in der zunehmenden Auseinanderentwicklung der Gehaltssituation der Ärzte an Kliniken und beim ÖDG. Bis zu 1500 Euro weniger verdiene ein vergleichbar qualifizierter Kollege im Öffentlichen Gesundheitsdienst. „Hier sind die Tarifpartner akut gefordert, für eine Angleichung zu sorgen“, sagte Rinkel. Dies sei schon deshalb angemessen, weil sich die hohen Anforderungen an die fachliche Kompetenz nicht voneinander unterschieden. Erschwerend komme hinzu, dass den Ärztinnen und Ärzten beim ÖGD perspektivische Entwicklungsmöglichkeiten oft verbaut wären, da ein Aufstieg in Führungspositionen der Verwaltung fast unmöglich sei.
Rinkel: „Wir werden der Bedeutung und der Leistung des Öffentlichen Gesundheitsdienst und der dort tätigen Kolleginnen und Kollegen im Übrigen auch nicht gerecht, wenn wir sie nur im Schlaglicht der nächsten medienträchtigen epidemischen Katastrophe betrachten. Der ÖGD hat in der Betreuung der Schwachen in der Gesellschaft, der psychisch Kranken, der Behinderten oder auch dementen Patienten eine herausfordernde Daueraufgabe, der er auf Dauer nur dann noch gerecht werden kann, wenn Ärztinnen und Ärzten wieder berufliche und finanzielle Perspektiven eröffnet werden“. Es sei , so Rinkel, in diesem Sinne „fünf Minuten vor zwölf“, dass die Träger des ÖGD – seien es in der Verantwortung Länder oder Gebietskörperschaften – endlich organisatorische Abläufe, finanzielle Voraussetzungen und Arbeitsbedingungen schafften, die für hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte wieder interessant seien.


