05.02.2010  Debatte um Zusatzbeiträge der Krankenkassen

Winn nennt Diskussion scheinheilig und feige

Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Prof. Dr. Kuno Winn hat die Debatte um die von einigen gesetzlichen Krankenkassen angekündigten Zusatzbeiträge kritisiert. „Wer jetzt in der Diskussion so tut, als sei unser Gesundheitssystem grundsätzlich ausreichend finanziert und das Problem sei mit dem unbestritten notwendigen Bürokratieabbau bei Krankenkassen oder der dringend erforderlichen Reduktion von Arzneimittelkosten wirklich substanziell und strukturell gelöst, der schiebt das Dilemma wissentlich auf die lange Bank und weicht unbequemen Wahrheiten aus. Zu diesen Wahrheiten gehört: „Gesundheit wird teurer“, sagte Winn heute in Berlin. Im Kern offenbare sich in der aktuellen Auseinandersetzung eine Mischung aus Scheinheiligkeit und Feigheit. Scheinheilig seien diejenigen, die das Instrument der Zusatzprämie selbst in der Großen Koalition geschaffenen hätten und nun plötzlich nichts mehr damit zu tun haben wollten, feige diejenigen, die sich noch immer nicht trauten, den Menschen zu sagen, dass ihre Gesundheit sie auf Dauer mehr kosten werde. „Ohne Frage muss die Gemeinschaft auch diejenigen weiter solidarisch unterstützen, für die acht oder zwölf Euro Zusatzbeitrag im Monat viel Geld sind“, bekräftigte der Hartmannbundvorsitzende. „Allen anderen müssen wir aber sagen, dass sie für ihre Gesundheit künftig mehr aufzubringen haben – zumindest dann, wenn sie in einer immer stärker alternden Bevölkerung auch weiter von den Möglichkeiten des medizinischen Fortschritts profitieren wollen.“ Dabei müsse gewährleistet sein, dass das von den Versicherten aufgebrachte Geld unter Ausschöpfung aller Einsparpotenziale in die medizinische Versorgung und nicht in bürokratischen Überbau fließe. Winn: „ Wir brauchen den Mut für ein neues System, das – wo nötig sozial abgefedert – auf mehr Eigenverantwortung und Kostenbewusstsein setzt. Und wir brauchen den Mut der Politik, das den Bürgern offen zu sagen“. Auch die Ärzteschaft sei bereit, sich der dafür notwendigen Diskussion zu stellen. „Jahrelang hat uns die Politik versprochen, die Rente und das sie tragende System seien sicher – lange Zeit wider besseres Wissen. Vor allem der Generation, die dies nun auszubaden hat, können wir nicht auch noch den Gesundheits-GAU aufbürden, der sie bei einem Weiter-So zwangsläufig erwartet“, sagte Winn.

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