07.03.2010  Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen für Frauen verbessern!

Nur durch Ärztinnen ist die Versorgung künftig noch gesichert

Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März hat der Hartmannbund an Arbeitgeber und Politik appelliert, die selbstverständliche Schaffung von familienfreundlichen Arbeitsbedingungen endlich als entscheidende Herausforderung zu begreifen. Neben der Forderung, ausreichende und den Arbeitszeiten im Krankenhaus angepasste Kindertagesstätten einzurichten, müsse vor allem auch die immer noch übliche Benachteiligung der Kolleginnen gegenüber ihrem männlichen Pendant ein Ende haben. „Nicht nur vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung müssen die verantwortlichen Akteure endlich begreifen, dass sie in der Zukunft auf gut aus- und weitergebildete Frauen angewiesen sind. Die Versorgung von morgen wird ohne diese Ärztinnen nicht mehr gehen. Und dazu brauchen wir attraktive Arbeitsplätze“, sagte Dr. Astrid Bühren, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes des Hartmannbundes. Ärztinnen müssten sich, anders als ihre Kollegen, in den teilweise nach wie vor hierarchisch geführten Krankenhäusern immer noch Benachteiligungen gefallen lassen – insbesondere im Zusammenhang mit Elternzeit und Mutterschutz. So seien zum Beispiel häufig flexible Teilzeitregelungen während der Elternzeit nur sehr bedingt möglich, was zu häufig zum kompletten Ausstieg aus der Medizin am Krankenbett führe. Selbst in Zeiten von Ärztemangel werde bei Neuanstellungen nicht berücksichtigt, welche wichtigen Kompetenzen Frauen aus der Familienphase mitbringen. „Auch bieten Arbeitgeber in der Regel keine Rückführungsgespräche oder gar Wiedereingliederungsseminare an“, sagte Bühren. Eine wichtige Chance, Kolleginnen und Kollegen auch während der Elternzeit im kurativen Bereich zu halten, sieht die Ärztin in der Abkehr von der starren Regelung, Weiterbildungseinheiten unterhalb von 50%igen Teilzeitstellen nicht anzuerkennen. „Das wäre ein konkreter Ansatz, der uns unmittelbar nach vorne bringt“, zeigte sie sich überzeugt. Nach einer Abfrage durch den Hartmannbund werden bereits in zwei Landesärztekammern, Nordrhein und Westfalen-Lippe, solche Modelle angeboten. In Mecklenburg Vorpommern ist auf Antrag eine Genehmigung möglich. Es reiche aber nicht aus, Ärztinnen auf den mühsamen und unsicheren Weg einer eventuellen Ausnahmegenehmigung zu verweisen, so Bühren. Auch das jüngst durchgeführte 1. Lunch-Symposium des Arbeitskreises „Junge Ärzte“ im Hartmannbund bestätigte die Notwendigkeit einer flexiblen Weiterbildungszeit. Ein Großteil der Kolleginnen, so waren sich die Teilnehmer sicher, könnte durch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und bei einer Anpassung der Weiterbildung an die Vorstellungen und Notwendigkeiten familiärer Belange wieder für die kurative Medizin gewonnen werden. Dr. Kathrin Krome, stellvertretende Vorsitzendes des Arbeitskreises, sieht an dieser Stelle besonders vor dem sich immer dramatischer abzeichnenden Ärztemängel „brachliegendes Potential“. Für sie mündet das Ergebnis des Symposiums in einer klaren Erkenntnis: „Der beste Wiedereinstieg ist der Nichtausstieg“.

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