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Film- und Fernsehpreis

Seit 1967 verleiht der Hartmannbund auf der Hauptversammlung einen Preis für Filme und Fernsehsendungen, die aktuelle Probleme von Patienten und Ärzten überzeugend darstellen.

Statut des Film- und Fernsehpreises

Richtlinien des Film- und Fernsehpreises

Bewerbungsbogen (für die Filmemacher/Redaktionen)

Der Bewerbungsschluss für den Film- und Fernsehpreis 2017 endete am 31. August 2017. Über die nächste Ausschreibung informieren wir Sie rechtzeitig.

 

Chronologie der Preisträger

2016

Dokumentation „Gefährliche Bluttransfusionen – Was hilft gegen das Risiko?“ des SWR

Begründung der Jury

Fremdes Blut rettet Leben, birgt aber nicht nur durch unerkannte Infektionen erhebliche Risiken. Wissenschaftliche Studien sprechen dafür, dass der Immunschock fremder Blutzellen Komplikationen nach der Operation sowie Krebserkrankungen begünstigt. Doch werden aus diesen Erkenntnissen alle notwendigen Konsequenzen gezogen? Wird alles getan, um die Risiken für Patienten zu minimieren? Wie sorgsam ist eigentlich der Umgang mit dem „Risikogut Blut“?

Die Autorin Ulrike Gehring hat dieses brisante Thema mit großem Engagement aufgegriffen und erfolgreich umgesetzt. Ihr ist ein inhaltlich wie journalistisch sehr guter Film gelungen. Es gibt eine klare Dramaturgie, die den sorglosen Umgang mit dem Blut zum spannenden Leitfaden der Handlung macht. Ihr Fazit: Alle „blutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse“, die es bereits seit Jahren gibt, „gerinnen“ vor dem Hintergrund von Ignoranz und Desinteresse der Politik, aber auch der Fachgesellschaften in Deutschland.

Ein Ärzteteam des Frankfurter Universitätsklinikums geht entschlossen gegen die eingefahrenen Praktiken vor, plädiert für ein konsequentes, sparsames Patient Blood Management und stellt sich damit gegen große Teile des hiesigen medizinischen Establishments. Erst die Präsentation ihrer Forschungsergebnisse auf einem Kongress in den USA sichert die nötige Aufmerksamkeit und Anerkennung, die nun auch immer mehr Patienten zu Gute kommen dürfte.

Die Dokumentation von Ulrike Gehring überzeugt durch ihren Spannungsbogen, die Tiefe der Recherche, sprachliche Brillanz und eindrückliche Bilder. Ein vitales Feature mit hoher medizinischer und gesellschaftlicher Relevanz.

Videobotschaft des Jury-Mitglieds Dr. Eckhart von Hirschhausen:

2015

Reportage Der Arzt, der um die Ecke denkt aus der Sendereihe Menschen hautnah des WDR

Begründung der Jury

Die Autoren Jule Sommer und Udo Kilimann begleiten Patienten und Ärzte mit Empathie und unaufdringlicher Kameraführung. Exemplarisch weisen sie auf Defizite eines Gesundheitswesens hin, das zwar hochtechnisiert und mit großer Expertise ausgestattet ist, aber dennoch den Bedürfnissen von Patienten mit rätselhaften Erkrankungen nicht gerecht wird.

Die Betroffenen haben oft eine jahrelange Odyssee hinter sich; das Leben mit Beschwerden und der Ungewissheit ihrer Diagnose ist für sie zur Qual geworden. Der Film zeigt auf, wie Patienten neue Hoffnung schöpfen können, von ihrem Leiden befreit zu werden: durch einen „Arzt, der um die Ecke denkt“, der an einem gut ausgestatteten Diagnose-Zentrum gemeinsam mit Spezialisten die Ursachen von Beschwerden in mühsamer Detektivarbeit aufzuklären versucht – nicht immer mit Erfolg, aber immer mit großem Engagement. Klar wird auch: Für den Rundumblick braucht es mehr als ein Augenpaar, mehr als ein Hirn. Und kein Computer der Welt kann das besser als miteinander vernetzte Menschen.

Dem Film gelingt es, sein unermüdliches, völlig uneitles Bemühen um medizinische Aufklärung sowie die Probleme seiner verzweifelten Patienten hautnah einzufangen und als spannende „Detektivgeschichte“ zu vermitteln.

Videobotschaft des Jury-Mitglieds Dr. Eckhart von Hirschhausen:

2014

Reportage In letzter Sekunde – die Notfallretter von Ludwigshafen der Redaktion odysso des SWR

Begründung der Jury

Die Sendung „In letzter Sekunde – die Notfallretter von Ludwigshafen“ schildert spannend und anschaulich den Alltag in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Ludwigshafen – von der akuten Versorgung Schwerstverletzter bis zur plastischen Chirurgie bei Fingerverletzungen. Sie verdeutlicht zudem, wie wichtig ein eingespieltes Notfall-Team ist und welcher hohe personelle und technische Aufwand für eine funktionierende Notfallmedizin betrieben werden muss, die jederzeit und sofort verfügbar ist.

Das Redaktionsteam des SWR-Wissenschaftsmagazins odysso begleitete Patienten, Ärzte und das Rettungsteam hautnah und zeichnete bewegende Geschichten auf, die von hohem Engagement, Teamgeist und Menschlichkeit der Notfallmediziner sowie dem Überlebenskampf der Patienten und ihrem individuellen Umgang mit ihrem Schicksal gekennzeichnet sind. Darüber hinaus werden wichtige fachliche Informationen anschaulich durch Animationen und Aufnahmen sowie präzise Moderationen vermittelt.

Eine über weite Strecken spannende Dramaturgie, eine interessante Kameraführung und der einfühlsame Umgang mit den Protagonisten machen diese Dokumentation zu einem hervorragenden Zeugnis für die Leistungsfähigkeit der Notfallmedizin in Deutschland. Besonders hervorzuheben ist dabei das Zusammenspiel zwischen der Redaktion und den mitwirkenden Ärzten sowie die kreative Leistung der beiden Autoren Oliver Wittkowski und Hilmar Liebsch, durch die der Zuschauer die Notfallmedizin in besonderer Weise erleben darf.

2013

Reportage Zuhause sterben von Renate Werner, eine Produktion des WDR

Begründung der Jury

Sechs Jahre nach der gesetzlichen Verankerung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) existiert noch keine flächendeckende Versorgung. Laut einer aktuellen Umfrage unter Ärzten und Pflegekräften in 212 Kliniken stirbt jeder zweite Schwerstkranke im Krankenhaus – eigentlich ein Ort der Heilung. Und laut Patientenschützern werden Schwerstkranke in ihren letzten zwei Lebensjahren zwischen Pflegeheim, Krankenhaus und Zuhause bis zu fünf Mal hin und hergeschoben. Genau hier sollen die SAPV-Teams ansetzen und das „Zuhause sterben“ ermöglichen. Doch nicht überall ist die Situation so vorbildlich wie zum Beispiel im Saarland. In Rheinland-Pfalz oder in Mecklenburg-Vorpommern ist SAPV überwiegend ein Fremdwort. In Köln endete die SAPV bis vor kurzem an den Rheinbrücken. Die Reportage zeigt, dass Deutschland mehr als 300 SAPV-Teams benötigt – aktuell gibt es gerade einmal knapp die Hälfte. In der Kinderpalliativmedizin sind es deutschlandweit nur elf mobile Teams – dabei müssten es vier Mal so viele sein. Warum ist es trotz des Anspruchs auf eine „spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ immer noch nicht überall in Deutschland möglich, zuhause zu sterben? Was bedeutet das für Ärzte und Patienten? Und wer ist in der Verantwortung? Diese Fragen hat sich die Autorin gestellt, nach Antworten gesucht und diese auch gefunden. Für diese Arbeit bescheinigt die Jury des Film- und Fernsehpreises Bestnoten! Die Autorin hat nicht nur sorgfältig recherchiert und intensiv nachgefragt, sondern auch einen Missstand aufgedeckt. Sie hat ein brennendes Thema aufgegriffen, das bislang in den Medien wenig Beachtung gefunden hat. Behutsam hat sie Menschen beim Sterben begleitet, die Initiativen von Angehörigen und Ärzten aufgezeigt, die verzweifelt Abhilfe schaffen wollen, und mit Krankenkassen gesprochen, die für die Umsetzung des Gesetzes zuständig sind.

2012

Reportage Der Nächste bitte! Warum Patienten ihren Arzt nicht verstehen aus der Reihe "exakt – Die Story", eine Produktion des MDR

Begründung der Jury

Der Beitrag der Autoren Jana Lindner und Alexander Ihme beobachtet das Kommunikationsverhalten und den sprachlichen Umgang von Ärzten mit ihren Patienten und stellt dies kritisch in Frage. Ganz ohne Zeigefinger, sondern so offen und sachkundig, wie dies auch von den Medizinern erwartet wird. Der Film zeigt, es sind nicht nur die Einzelfälle, die zu einem Unverständnis von Patienten gegenüber ihren Ärzten führen, sondern die gesamte Branche pflegt eine antrainierte Fachsprache. Diese macht Sinn, erfährt der Zuschauer, beim Patienten aber führt sie oft zu fatalen Missverständnissen und kann dadurch die Behandlungsergebnisse beeinträchtigen. Der Film schafft ein Bewusstsein dafür, dass die Unzufriedenheit der Patienten im System selbst zu finden ist. An gut recherchierten, eindrucksvollen Beispielen, wie eine optimale Verständigung aussehen und was sie bewirken kann, fehlt es in diesem Beitrag ebenso wenig. Kurze Sequenzen, nachgestellte Szenen und Rollenspiele bereichern, es wird nicht spektakulär inszeniert, sondern so alltäglich wie möglich gefilmt, was dem Thema entspricht. Der Schnitt ist flott, zeitgemäß, was die Sehgewohnheiten angeht, und sprachlich präzise. Auch die An-Moderation vermittelt das Gefühl: "Dieses Thema geht uns alle an!"

Sonderpreis der Jury
Reportage Gesundheitsrisiko Implantate: Versuchskaninchen Patient des WDR-Sendeformats "Monitor"

Begründung der Jury

Der Beitrag von Ralph Hötte und Isabel Schayani zum riskanten, unzureichend geprüften Einsatz von Medizinprodukten in Deutschland deckt einen eklatanten Systemfehler im Gesundheitswesen auf: Die offensichtlich fehlende Überwachung für den Einsatz von metallenen Großkopfhüftprothesen, wie sie zu Tausenden implantiert werden, die in dem Beitrag exemplarisch für andere Medizinprodukte stehen. Gefährlicher Abrieb kann zum Teil in erheblichem Ausmaß Vergiftungen im Blut der Patienten erzeugen, wie die Praxis zeigt. Auf der Suche nach der Prüfungs- und Überwachungsinstanz von Medizinprodukten stoßen die akribisch recherchierenden Autoren von "Monitor" auf mangelndes Problembewusstsein und blanke Ablehnung. Am Ende steht die Erkenntnis: Ein Prozess gegen den Hersteller ist zu riskant und die oberste Instanz, das Bundesgesundheitsministerium, sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf. Vom Einzelfall bis zur Selbsthilfegruppe wird belegt, wie relevant das Thema in Zeiten einer alternden Bevölkerung ist und an Brisanz weiter zunimmt. Studien am Menschen sind scheinbar politisch gewollt.

Den Autoren des stimmig aufgebauten Films gebührt der "Sonderpreis der Jury" für eine beharrliche Nachfrage bei der Aufdeckung eines menschenverachtenden Missstandes. Nicht zuletzt sind es die behandelnden Ärzte, die für die Konsequenzen mangelnder Überwachung zur Verantwortung gezogen werden. Auch sie müssen ein großes Interesse an einer "reibungslos funktionierenden" Behandlung haben.

2011

Reportage Immer mit Herzblut: Ärzte – niemals Feierabend aus der Reihe "37 Grad", eine Gemeinschaftsproduktion von Spiegel TV und ZDF

Begründung der Jury

Hinter dem beziehungsreichen Titel verbirgt sich mehr als das Klischee vom engagierten und nimmermüden Menschenfreund. Der Autor Robert Wortmann schafft es, brennende politische Fragen der medizinischen Versorgung anhand zweier typischer Protagonisten unaufgeregt realistisch aufzuzeigen: Die blutjunge Herzchirurgin ist ebenso engagiert wie der Allgemeinmediziner im Rentenalter, fühlt sich aber in der Klinik, die ihr eine Familienplanung wohl nicht ermöglichen wird, genauso brutal ausgebeutet wie der Landarzt, der nicht aufhören darf, weil die Politik den Schwächen des Gesundheitssystems nichts entgegensetzt. Zukunftsplanung und Planungssicherheit sind sowohl beruflich als auch privat nicht mehr möglich. Der Sohn des Allgemeinarztes, der eigentlich die Praxis des Vaters hätte übernehmen können, versagt sich. Und die unglaublich hohen Ansprüche an eine Herzchirurgin mit Herzblut sind angesichts ihres Arbeitsalltags und ihrer Aussichten überhaupt kein Lockmittel, den nach wie vor hoch angesehenen Beruf des Arztes zu ergreifen. Dazu schafft eine Regelungswut des Gesetzgebers dem überlasteten Allgemeinmediziner immer mehr zusätzliche Arbeit am Schreibtisch. In klar voneinander getrennten Handlungssträngen lotst der Film den Zuschauer durch die medizinische Praxis zweier sehr unterschiedlicher Fachgebiete. In einprägsamer Bildsprache und pointierten Situationen wird packend erzählt, was die Demografie erwarten lässt. Es werden Fragen  an die Politik gestellt, die genauso eine ethische Verantwortung für die Versorgungssicherheit der Patienten trägt. Ein starkes Stück in der 37-Grad-Reihe.

2010

Reportage Schaltet mich ab! Patientenverfügung im Ärztealltag von Renate Werner, eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks

Begründung der Jury

Die Autorin hat ein sehr sprödes Thema einem Praxistest im Klinikalltag unterzogen: die Patientenverfügung, wie sie seit Herbst 2009 rechtsgültig ist. Dabei greift sie schon in den ersten Minuten die entscheidenden Fragen pointiert auf, sodass kein Zweifel an der Stringenz der Reportage aufkommt und die Neugier auf jede weitere Minute geweckt ist. Die behutsame Vorgehensweise, todkranken Patienten mit der Kamera zu Leibe zu rücken, verdient besondere Erwähnung. Einer Journalistin diese Einblicke zu gestatten, zeugt von hohem Vertrauen. In allen gezeigten Stresssituationen der Ärzte, Schwestern und Pfleger kommt zum Ausdruck, wie ernsthaft das Marienhospital in Köln um einen verantwortlichen Umgang mit dem Todeswunsch seiner Patienten ringt. Persönliche Konflikte und Selbstzweifel der Ärzte zeigen dem Zuschauer indessen, wie wenig ein Patiententestament in der Praxis taugt, zumal, wenn es nicht fachgerecht abgefasst ist. Die hier beobachteten Ärzte und Krankenhausmitarbeiter zeigen sich an schnellen Lösungen gar nicht interessiert. Ein krankenhauseigenes Ethikkonsil sucht nach rechtskonformen, aber menschlichen Lösungen und begleitet die Mitarbeiter bei der Frage nach dem Wie, wenn es ums Abschiednehmen geht, bei jedem Patienten neu. So verlaufen auch in der Reportage alle drei gezeigten Fälle unterschiedlich. Am Ende stellt die Autorin treffend fest, dass sich jeder Arzt dem Patientenwillen nur annähern, ihn aber nie erfüllen könne. Eine große Empfehlung für alle, die es angeht.

2009

Spielfilm aus der Reihe "Tatort": Der glückliche Tod, eine Produktion des Südwestrundfunks

Begründung der Jury

Sterbehilfe ist ein aktuelles und schwieriges Thema – für die Medizin wie für die Gesellschaft. Sterbehilfe bei Kindern ist bislang ein Tabu. Ohne die Objektivität zu verlieren und in Klischees abzudriften, ist es in dem "Tatort" gelungen, das komplexe Thema überzeugend und differenziert in einer packenden Krimihandlung umzusetzen. Der Zuschauer bleibt nachdenklich zurück. Es wird deutlich, dass in der Zulassung gewerblicher Sterbehilfe – schon wegen des kriminellen Missbrauchspotenzials – kaum die Lösung liegen kann. Dennoch ist es dem Autor gelungen, für keine der Positionen Partei zu ergreifen. Die gegensätzlichen Einstellungen zur Sterbehilfe werden durch die handelnden Personen vertreten: das Ermittler-Duo, Vertreter einer Sterbhilfe-Organisation, die Eltern eines todkranken Mädchens, das todkranke Mädchen selbst. Diese Rollen geben den exzellenten Schauspielern – allen voran Susanne Lothar als Mutter – die Möglichkeit, ihr Können voll zu entfalten. Zurück aber bleibt vor allem die Erinnerung an die wahrhaftige Auseinandersetzung der Kinder mit dem Tod. Dies zeigt, dass die Diskussion um Sterben und Tod in allen Bereichen des Lebens geführt werden muss.

2008

Sendung Was ist los mit dem Zappelphilipp?, eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks aus der Reihe "Quarks & Co"

Begründung der Jury

„Was ist los mit dem Zappelphilipp?“ – Die Beiträge über Kinder mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), dem so genannten „Zappelphilipp-Syndrom“, in der Reihe „Quarks & Co“ fügen sich zu einer gut komponierten Informationssendung. Die straffe Gliederung, die dem Zuschauer gleich zu Beginn die Komplexität des Krankheitsbildes nahebringt, macht neugierig. Dabei finden alle Beteiligten Berücksichtigung: Eltern und Kinder beschreibend, die pharmazeutische Industrie durch einleuchtend dargestellte Interessen an dem Krankheitsbild, aber auch die Herausforderung an Ärzte, Psychologen und Pädagogen. Anhand dessen wird deutlich: Ein unumstrittenes Rezept hat keiner. Selbst die Ursachenforschung steht noch am Anfang. Die Moderation verbindet die Blöcke erklärend, aber nicht wertend. Sowohl der Informations- als auch der Unterhaltungswert bleiben bis zum Ende auf hohem Niveau. Die Jury zeichnet besonders die Teamleistung von „Quarks & Co“ für die gelungene Umsetzung eines Themas aus, das immer noch von vielen Vorurteilen belegt ist.

2007

Dokumentation Schwester Tod – Mord auf der Intensivstation, eine Produktion des Rundfunk Berlin-Brandenburg

Begründung der Jury

Im Mittelpunkt der Reportage „Schwester Tod – Mord auf der Intensivstation“ von Norbert Siegmund steht das Interview mit der Mörderin Irene B. im Frauengefängnis Berlin-Pankow. Der Autor bringt sie behutsam zum Sprechen, lässt ihr Zeit, ihre Gefühle und Beweggründe zu schildern, und nutzt diese Informationen, um den Klinikalltag auf der kardiologischen Intensivstation der Charité zu beleuchten. Mit spürbarer Distanz und Objektivität dokumentiert er die Mordfälle an den Patienten von 2005/2006 und schildert die Umstände, wie es dazu kommen konnte, dass Kollegen von Irene B. ihren Verdacht nicht meldeten. Die Reportage gewährt Einblicke in den hochtechnisierten Medizinbetrieb mit all seinen ökonomischen Zwängen und mangelhaften Kommunikationsstrukturen. Norbert Siegmund überlässt dem Zuschauer die Bewertung der Vorgänge, unterstützt durch die Einordnung eines Psychiaters, der mit Fällen der aktiven Sterbehilfe im Krankenhaus vertraut ist. Auch diese Einblendungen wirken zu keiner Zeit belehrend, sondern dienen primär der Orientierungshilfe bei diesem hochsensiblen Thema. Obwohl der Titel fast reißerisch klingt – „Schwester Tod“ – werden die beteiligten Personen und Institutionen nicht vorgeführt. Die Vielschichtigkeit der Reportage regt den Zuschauer vielmehr zum Nachdenken an.

2006

Doku-Serie Anfänger in Weiß, eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks

Begründung der Jury

Es war die besondere Originalität der Idee, die die Jury zu ihrer Entscheidung bewogen hat. Die 12-teilige Dokumentation von Heiko Schäfer über junge Assistenzärzte im Elisabeth-Krankenhaus in Essen zeigt die menschliche Seite des Arztberufes, wie schwer und wie schön es ist, Arzt zu werden. Die Zuschauer begleiten sechs Jungmediziner durch ihren Arbeitsalltag und erleben die Unsicherheiten, Ängste und Erfolgserlebnisse der Anfänger in Weiß. Die Serie gewinnt dadurch eine hohe Authentizität. Das Verdienst des Autors liegt dabei besonders in der Motivation der Laiendarsteller, sie wirken alle unbefangen. Das sind nicht nur die Ärzte, es sind auch die Patienten und das Klinikpersonal. Bemerkenswert war die Bereitschaft der Klinikleitung, Einblick in den stressigen Alltag zu gewähren. Die Kameraführung wird nicht zuletzt deshalb extra gewürdigt, weil lebendige – nicht gestellte Situationen – quasi unwiederholbar, eingefangen wurden.

2004

Dokumentation Sepsis – Killer im Blut, eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks

2003

Film Das Herz ist rot, eine Produktion des Hessischen Rundfunks

2002

Vera Schmidberger für den Film Doktor verzweifelt gesucht – Ärztemangel in Deutschland

2001

Liz Wieskerstrauch für den Film Die Seele brennt – Annäherung an eine multiple Persönlichkeit

2000 Thomas Hallet und Michael Kumpfmüller für den Film Kalte Herzen aus der Reihe "Menschen hautnah"
1998

Mirko Tomic als Autor des Films Den Tod im Blut

1997

Armin Maiwald für seinen Film Die Geschichte von Katharina

1996 Herbert Biber als Autor und Regisseur für seinen Film Carité – Im Namen der Barmherzigkeit
1995

Marianne Riedel als Autorin des Films Geschenkte Zeit – Leben mit der fremden Niere

1994 Felix Kuballa für seinen Beitrag Deutschlandbilder – Friederike S., 28, Diagnose: Multiple Sklerose
1993 Bodo Witzke für seine Reportage Unter Mördern, Priestern und Vergessenen – Über deutsche Ärzte in Kolumbien
1992

Brigitte Weismann und Bernhard Töpper für ihren Film Wie würden Sie entscheiden? – Akute Lebensgefahr

1991 Gero von Boehm als Autor des Films Leben um jeden Preis – Ärzte gegen den Baby-Tod
1990 Dr. Wolfgang Mühlbauer als Autor und Regisseur des Films Unsichtbare Mauern
1988 Thomas Greulich für seinen Film Die letzten Tabus: Hämorriden gesendet im "Gesundheitsmagazin Praxis"
1987 Dr. med. Gernot Eigler für Buch, Regie und Musik des Films Aranka
1986 Manfred Teuber und Bernd Wiegmann als Autoren und Regisseure des Films Eine Klinik im Schwarzwald aus der Reihe "Die Reportage"
1985

Constantin Pauli als Regisseur und Autor des Films Die Arche im Pott

1984 Gudrun Mainka als Autorin des Films Multiple Sklerose
1982 Dr. Paul Kersten als Regisseur und Autor des Films Die Traurigkeit, die töten kann – Haben Depressionen Heilchancen?
1981

Gerd Böckmann als Hauptdarsteller des Films Von einem Tag zum anderen

1980

Gretl Brand als Autorin und Regisseurin des Films Schauplatz: Sprechstunde, Beobachtungen in einer Arztpraxis

1979 Thomas Schamoni als Regisseur des Films Platzangst aus der Reihe "Notsignale"
1978

Eberhard Pieper als Autor und Regisseur Kleine bunte Freudenspender

1977 Gero von Boehm für seine Fernsehdokumentation Anarchie im Körper - Zum Stand der Krebsbekämpfung
1976 Daniel Christoff für sein Fernsehspiel Der Tod vor dem Sterben
1975 Heinar Kipphardt für sein Fernsehspiel Das Leben des schizophrenen Dichters Alexander März
1974 Wilma Kottusch für ihren Bericht Sterbehilfe – Mord oder Möglichkeit
1972

Sigrid Schenkenberg für ihren Film Ich hatte einen Herzinfarkt im Gesundheitsmagazin "Praxis"

1971 Hans Mohl für seinen Beitrag Anruf bei Nacht im "Gesundheitsmagazin Praxis"
1969 Lothar Seehaus für seinen Bericht Ärzte in drei Ländern
1968 Norbert Mai für die Studie XYZ – Der Arzt in Dichtung und Wahrheit
1967Horst Pillau als Autor des Films Der Doktor
Pressesprecher

Michael Rauscher

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