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10.10.2016 // TK-Chef im Interview

Baas: Krankenkassen manipulieren Abrechnungen

Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, hat einen neuen Finanzausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen gefordert. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte er, dass der Risikostrukturausgleich „laufend manipuliert“ werde. „Das kostet Milliarden“, so Baas. „Es ist ein Wettbewerb zwischen den Kassen darüber entstanden, wer es schafft, die Ärzte dazu zu bringen, für die Patienten möglichst viele Diagnosen zu dokumentieren.“

Vor allem Volkskrankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie psychische Erkrankungen würden dafür gern genutzt. So bringe das sogenannte Upcoding einer depressiven Stimmung in eine echte Depression 1.000 Euro mehr im Jahr pro Fall. Dafür zahlten die Kassen Ärzten beispielsweise Prämien von zehn Euro je Fall. Baas: „Sie bitten dabei um ‚Optimierung‘ der Codierung. Manche Kassen besuchen die Ärzte dazu persönlich, manche rufen an. Und es gibt Verträge mit Ärztevereinigungen, die mehr und schwerwiegendere Diagnosen zum Ziel haben. Zudem lassen sich die Kassen in diese Richtung beraten.“ Auch die TK könne sich dem nicht völlig entziehen.

Baas ging auch auf die Kostensteigerungen ein, die die Krankenkassen zu schultern haben. Bei den Arzthonoraren, in den Krankenhäusern und bei den Medikamenten stiegen die Ausgaben stetig. Zudem gebe es zu viele Krankenhausbetten, und den Kassen machten auch die Niedrigzinsen zu schaffen. Ausdrücklich machte Baas darauf aufmerksam, dass den Krankenkassen durch Flüchtlinge bislang keine Zusatzkosten entstanden seien, weil die meisten Flüchtlinge noch im Asylverfahren steckten. Dass die Regierung den Kassen nun aus den Reserven des Gesundheitsfonds 1,5 Milliarden Euro überweisen wolle und dies mit den Kosten für die Behandlung von Flüchtlingen begründet, nannte er unverantwortlich. „Die Flüchtlinge sind ein vorgeschobener Grund“, so Baas. Dies schüre unnötig Ressentiments gegenüber den Migranten. (stp)

Pressemeldung des Hartmannbundes

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