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16.03.2016 // BÄK-Behandlungsfehlerstatistik 2015

Crusius: „Ärzte machen Fehler, sie sind aber keine Pfuscher“

Die Zahl der nachgewiesenen Behandlungsfehler ist 2015 um fünf Prozent gesunken. Das geht aus der Behandlungsfehlerstatistik der Bundesärztekammer (BÄK) hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Demnach haben die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen im Jahr 2015 bundesweit insgesamt 7.215 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen, wovon in 2.132 Fällen ein Behandlungsfehler vorlag. Davon habe in 1.774 Fällen ein Behandlungsfehler als Ursache für einen Gesundheitsschaden vorgelegen, der einen Entschädigungsanspruch begründete. Die häufigsten Diagnosen waren in diesen Fällen Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen. In weiteren 358 Fällen lag ein Behandlungsfehler vor, der jedoch keinen kausalen Gesundheitsschaden zur Folge hatte. Im Vorjahr hatte die BÄK insgesamt 7.751 Entscheidungen mit 2.252 festgestellten Behandlungsfehlern registriert.

Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der BÄK, wies bei der Vorstellung der Statistik darauf hin, dass die Daten der Ärztekammern nicht das gesamte Behandlungsgeschehen abdecken. Sie seien jedoch – im Unterschied zu Hochrechnungen – „absolut valide, weil sie auf realen Fällen beruhen“. Mit ihnen könne eine wirksame Fehlerprävention betrieben werden. „Überall wo Menschen arbeiten, passieren Fehler – auch in der Medizin“, sagte Crusius. „Wir gehen aber offen mit unseren Fehlern um, wir lernen aus ihnen und wir verhelfen betroffenen Patienten zu ihrem Recht“, so Crusius weiter. Er forderte, Ärztinnen und Ärzte bei ihrem Engagement für eine offene Fehlerkultur zu unterstützen. „Wir müssen wegkommen von Pauschalvorwürfen.“ Ein Arzt, dem ein Fehler unterläuft, sei kein Pfuscher, betonte er: „Fehler können viele Ursachen haben. Pfusch dagegen beinhaltet immer eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber den Auswirkungen des eigenen Handelns.“

Crusius betonte auch, dass die Ursachen für Behandlungsfehler komplex sein können, und verwies auf den stetig wachsenden Behandlungsdruck in Kliniken und Praxen. So habe sich die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle zwischen 2004 und 2014 um 152 Millionen auf 688 Millionen Fälle erhöht. Im stationären Sektor seien 2014 mehr als 19 Millionen Patienten behandelt worden. (stp)

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