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30.06.2017 // Plädoyer für sektorübergreifende Notfallversorgung

Immer mehr Notarzteinsätze – jedoch nur ein Fünftel echte Notfälle

Die Zahl der Notarzteinsätze steigt jährlich um fünf bis sieben Prozent – jedoch sind nur 22 Prozent der Notfalleinsätze mit Blaulicht echte Notfälle. Das hat nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) eine Analyse des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) von bundesweit 3.127 Einsätzen ergeben. Die DIVI fordert daher eine Umstrukturierung der Notfallversorgung in Deutschland. Kapazitäten für lebensbedrohliche Notfälle könnten dadurch fehlen beziehungsweise Einsätze verzögert werden, warnt die Fachgesellschaft in einer Pressemeldung.

„Viele Menschen kennen zum Beispiel nicht die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117, sondern wählen direkt die 112“, sagt der Bundesarzt des DRK und DIVI-Mitglied Peter Sefrin, der innerhalb der DIVI viele Jahre Sprecher der Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin war. Oft könnten die Patienten auch nicht einschätzen, ob es sich tatsächlich um einen Notfall handele. Ein Lösungsansatz bestehe laut Sefrin daher in einer besseren Aufklärung der Bürger durch gezielte Informationskampagnen über die Struktur der Notfallversorgung. Weitere Maßnahmen könnten Sefrin zufolge eine stärkere Vernetzung durch zentrale Anlaufstellen und der Ausbau der Qualifikationen in den Rettungsleitstellen sein. Die Rettungsleitstelle müsse die zentrale Anlaufstelle sein. Hier könnten auch die Vorzüge der Digitalisierung, zum Beispiel durch die elektronische Gesundheitskarte genutzt werden. Die Politik sei gefragt, die Notfallversorgung transparent und für den Bürger nachvollziehbar sektorenübergreifend zu reformieren.

Zweifel an der hinreichenden personellen Ausstattung des Rettungsdienstes seien hingegen unangebracht. In den vergangenen Jahren sei die Vorhaltung im Rettungsdienst immer wieder erweitert worden und sogar neue Notarzt-Standorte seien entstanden, so Björn Hossfeld, Oberarzt am Bundeswehrkrankenhaus Ulm und derzeitiger Sprecher der DIVI-Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin. Ändern müsse sich jedoch die Art und Weise, wie mit diesen Ressourcen umgegangen wird. So könnten in den Rettungsleitstellen Ärzte eingebunden werden, die die Bedürfnisse der Patienten häufig noch besser einschätzen könnten. Auch telemedizinische Angebote könnten das nicht-ärztliche Rettungsfachpersonal bei Entscheidungen, ob Patienten an den hausärztlichen Dienst weitergeleitet werden können oder in einer Notfallaufnahme vorgestellt werden müssen, unterstützen. (stp)

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