pageUp
  

Aktuelle Meldungen

08.09.2017 // Sachverständigenrat für Gesundheit

Integrierte Leitstellen und Zentren sollen Notfallversorgung koordinieren

Der Sachverständigenrat für Gesundheit empfiehlt für die Koordinierung und Steuerung der Angebote der Notfallversorgung die Schaffung voll integrierter, regionaler Leitstellen, die über eine bundeseinheitliche  Rufnummer  erreichbar  sind. Diese sollen die jeweils geeignete Versorgungsoption für den betreffenden Patienten wählen und vor allem die bislang getrennten drei Bereiche – ärztlicher  Bereitschaftsdienst, Rettungsdienst und Notfallambulanzen der Krankenhäuser – miteinander verzahnen. Das geht aus heute vorab vorgestellten Vorschlägen des Rats zur Zukunft der Notfallversorgung hervor. Sie sind Teil des für das Frühjahr 2018 erwarteten Gutachtens für eine bedarfsgerechte Steuerung des Angebots und der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen.

Die integrierten Leitstellen sollen eine telefonische Beratung durch geschultes Personal oder erfahrene Ärzte anbieten und je nach Bedarf eine direkte Terminvergabe in Praxen oder integrierten Notfallzentren sowie Hausbesuche des ärztlichen Bereitschaftsdienstes und Rettungseinsätze veranlassen und koordinieren. Das bisherige Nebeneinander der Rufnummern 112 und 116117 entfiele damit. Unter den neu zu schaffenden integrierten Notfallzentren versteht der Rat weiterentwickelte Portalpraxen, ähnlich den gemeinsamen Anlaufstellen des AQUA-Konzepts. Diese sollten möglichst auch ambulante kinder- und augenärztliche Angebote sowie  psychiatrische Kriseninterventionsdienste,  idealerweise  auch mit  Zugang  zu spezialisierten stationären Kapazitäten, etwa zur Behandlung von Schlaganfällen, Herzinfarkten oder Polytraumen, umfassen.

Die integrierten Leitstellen und Notfallzentren sollen Patienten in einem nach Schweregraden und Dringlichkeit gestuften Versorgungskonzept gemeinsam eine bestmögliche Erreichbarkeit und eine gezielte Steuerung zu bedarfsgerechten Strukturen anbieten. So solle die Vergabe eines individuellen Termins in einem Notfallzentrum nur bei vorherigem Anruf bei der integrierten Leitstelle möglich sein. Patienten, die ohne vorherige telefonische  Abklärung Notfallzentren aufsuchen und bei denen im Rahmen einer Eingangsuntersuchung keine Dringlichkeit festgestellt wird, müssten längere Wartezeiten in Kauf nehmen.

Die Notfallzentren sollen als eigenständige organisatorisch-wirtschaftliche Einheiten an bestehenden Kliniken angesiedelt werden. Träger könnten die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und die jeweiligen Kliniken gemeinsam sein. Um Fehlanreize für Kliniken zu vermeiden, sollten sie jedoch von den KVen betrieben werden. Die Standorte für die Notfallzentren sollen die Länder festlegen. Zur Finanzierung dieser sektorenübergreifenden Notfallversorgung empfiehlt der Sachverständigenrat einen extrabudgetären Topf, der aus den bereinigten ambulanten und stationären Budgets gespeist werden sollte.

Auch über die Vergütung hat sich der Rat Gedanken gemacht: Sie soll über eine dreistufige Grundpauschale für alle Vorhaltekosten – gestaffelt nach Kapazität und Ausstattung  des  Notfallzentrums – und unabhängig von Fallschwere und Ort der Leistungserbringung fallbezogen erfolgen. Zuschläge sind in der Empfehlung nur für eine Beobachtung über Nacht vorgesehen. Der Rettungsdienst hingegen soll als  eigenständiger  Leistungsbereich  im  SGB  V verankert werden. Damit auch hier Fehlanreize beseitigt werden – zum Beispiel Patienten unnötig ins Krankenhaus zu bringen –, soll die medizinische Leistung und nicht wie bisher nur die Transportleistung abgerechnet werden.
Ein weiteres Detail: Um die Notfalleinrichtungen zu entlasten, soll die Ausweitung der Sprechzeiten der niedergelassenen Hausärzte sowie Samstag- und Abendsprechstunden in der vertragsärztlichen Versorgung besonders gefördert werden. Multimediale Aufklärungskampagnen sowie Informationsportale und Notfall-Apps Ergänzend halten die Sachverständigen für geeignete Mittel, um die Bevölkerung über die Organisation der Notfallversorgung aufzuklären.

Der bei der Vorstellung des Konzepts anwesende Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zeigte klare Sympathien für die empfohlene Strukturierung der Notfallversorgung. Kontrovers diskutierten die Anwesenden den Ansatz, dass die Notfallzentren zwar gemeinsam von KVen und Kliniken getragen werden sollten, das Betreiben und somit die Besetzung der Zentren jedoch der jeweiligen KV überlassen bleiben soll. Die Vertreter der Kassen warnten davor, dass sich die Notfallversorgung zu einem „3. Sektor“ entwickelt – vor allem wegen der extrabudgetären Vergütung. (stp)

News
10.12.2018 // TSVG

In einer Resolution hat die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) den...

mehr
07.12.2018 // KBV

Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mitteilte, soll der angepasste EBM bis Ende...

mehr
06.12.2018 // BMG

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will noch in diesem Jahr erste Eckpunkte für ein...

mehr
Kontakt

Hartmannbund

Kurfürstenstraße 132

10785 Berlin

Telefon: 030 206208-0

Telefax: 030 206208-49

E-Mail: hb-info@hartmannbund.de

Pressestelle