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10.10.2016 // Lichtblick beim Kampf gegen Landarztmangel?

Option für Nachwuchsärzte: Praxis auf dem Land – Wohnung in der Stadt

Mehr als die Hälfte der jungen Ärztinnen und Ärzte wären bereit, zu ihrer Praxis auf dem Land zu pendeln – und in der Stadt zu wohnen. Das hat eine Befragung unter Medizinstudierenden im achten und zehnten Semester an den Universitäten Leipzig und Halle sowie an der Charité Berlin ergeben. "Bis zu 50 Minuten für eine Strecke täglich würden die jungen Kollegen in Kauf nehmen", sagt Thomas Frese von der Selbstständigen Abteilung für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, der an der Umfrage beteiligt ist. Zu den Faktoren, die diese Entscheidung begünstigen könnten, gehören eine höhere Verghütung, eine finanzielle Kompensation für den zeitlichen Aufwand, das Arbeiten in einem Team von zwei bis drei Ärzten und die Möglichkeit der Delegation von Aufgaben an Praxisassistentinnen.

Der Gesetzgeber hat mit dem Anfang 2012 in Kraft getretenen GKV-Versorgungsstrukturgesetz dafür bereits eine entscheidende Weiche gestellt und die bis dahin geltende Residenzpflicht aufgehoben. Dass die Bereitschaft unter den Nachwuchsmedizinern jedoch genügt, das Problem des drohenden Hausarztmangels in ländlichen Regionen aufzufangen, bezweifeln auch die Wissenschaftler. Laut Hagen Sandholzer, dem Leiter der Selbstständigen Abteilung für Allgemeinmedizin, plane ein Viertel aller niedergelassenen Ärzte, in den kommenden Jahren in den Ruhestand zu gehen. Zugleich stiegen Lebenserwartung und der Bedarf an medizinischer Versorgung. "Allein in Leipzig werden nur zwölf Prozent der Absolventen Allgemeinmediziner. Wir würden 30 Prozent benötigen, um dem Bedarf nachzukommen. Wir sind also nicht mehr in der Lage, alle frei werdenden Stellen nachzubesetzen", so Sandholzer.

Die Ergebnisse der Untersuchung sollen erstmals am 15. Oktober auf dem Kongress des European General Practice Research Network, der forschenden Allgemeinmediziner aus ganz Europa, vorgestellt werden. (stp)

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