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Aktuelles

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11.01.2016 // Gemeinsame Umfrage von bvmd und Hartmannbund

Praktisches Jahr braucht dringend grundsätzliche Reform

Das Praktische Jahr (PJ) bedarf einer grundsätzlichen Reform. Dieses Fazit ziehen die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) und die Medizinstudierenden im Hartmannbund mit Blick auf die Ergebnisse einer gemeinsamen Umfrage zum PJ im Herbst 2015, an der mehr als 7.000 Medizinstudierende teilgenommen haben.

Große Defizite gäbe es laut den Umfrageergebnissen unter anderem hinsichtlich der lernfreien Zeit. 60 Prozent der Befragten haben angegeben, während des PJ nur zwei Stunden oder weniger Zeit pro Woche zum Lernen zur Verfügung zu haben. Viele erhalten überhaupt keinen PJ-Unterricht. Immerhin: 29 Prozent der Befragten erhalten an vier Stunden in der Woche PJ-Unterricht. In der Umfrage ebenfalls schlecht abgeschnitten haben die für die PJ-Lehre verantwortlichen Ärzte. 14 Prozent der Umfrageteilnehmer haben angegeben, dass die Ärztinnen und Ärzte im täglichen Krankenhausbetrieb keine Zeit für die Studierenden haben. Für 47 Prozent der Befragten werde sich zwei Stunden pro Woche Zeit genommen, für 24 Prozent vier Stunden in der Woche.

Ein weiterer Kritikpunkt der Studierenden richtet sich an die Fehltage im PJ. 46 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass krankheitsbedingte Fehltage nach der geltenden Regelung konsequent von der Gesamtzahl der Fehltage abgezogen wurden. Bei den restlichen 54 Prozent der Befragten war dies nur teilweise oder sogar nie der Fall. Die Studierenden halten die Fehltageregelung für überholt: In der Umfrage sprechen sich 76 Prozent der Befragten gegen die momentane Handhabung der Fehlzeiten aus.

Ein weiteres Thema, das im Mittelpunkt der Umfrage stand, war die PJ-Aufwandsentschädigung. Jeweils ein Drittel der Umfrageteilnehmer gab an, entweder keine Aufwandsentschädigung oder eine Aufwandsentschädigung unter 400 Euro im Monat zu erhalten. Diese Ergebnisse bestätigen auch die der PJ-Umfrage des Hartmannbundes aus dem Jahr 2014. Damals wurde ermittelt, dass bundesweit 111 der insgesamt knapp 700 Universitätskliniken und Lehrkrankenhäuser keine PJ-Aufwandsentschädigung zahlen, die Hälfte zwischen 201 und 400 Euro im Monat und nur 56 Häuser den BAföG-Höchstsatz von 597 Euro und mehr.

Welche Höhe der PJ-Aufwandsentschädigung halten die Studierenden für angemessen? Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer halten einen monatlichen Betrag zwischen 500 und 900 Euro für angemessen. Doch die Realität sieht bekanntlich anders aus. Viele Studierende befinden sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung in einer prekären finanziellen Lage. In der Umfrage gaben 74 Prozent der Befragten an, während des PJ besondere finanzielle Maßnahmen zu ergreifen, beispielsweise verstärkte familiäre Unterstützung, ein Studienkredit oder das Zurückgreifen auf Erspartes.

Hier die Forderungen der Studierenden auf einen Blick:

Die Reform des PJ muss sich in einer Änderung der ärztlichen Approbationsordnung niederschlagen, in der

  • klare Regelungen der Lehr- und Lernzeiten,
  • eine faire Regelung der Fehltage
  • und eine angemessene und bundesweit einheitliche Aufwandsentschädigung eingeführt

werden müssen.

Zur gemeinsamen Pressemitteilung der bvmd und der Medizinstudierenden im Hartmannbund geht es hier.

Kontakt

Hartmannbund

Kurfürstenstraße 132

10785 Berlin

Telefon: 030 206208-0

Telefax: 030 206208-49

E-Mail: hb-info@hartmannbund.de

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