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22.06.2017 // „Überflüssige Krankenhäuser“?

Offener Brief: Pohle kritisiert Wortwahl des KBV-Vorstandes

Der Vorsitzende des Hartmannbund-Landesverbandes Brandenburg und Vizepräsident der Landesärztekammer, Dr. Hanjo Pohle, hat sich in einem offenen Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, kritisch zur Wortwahl des neuen Vorstandes der KBV geäußert. In einem Interview mit dem Web-TV der Kassenärztlichen Vereinigungen „KV-on“ sprach der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Stephan Hofmeister, wörtlich von „unnützen“ Krankenhäusern, die „nach allen objektiven Kriterien weder gebraucht werden noch tatsächlich einen echten Mehrwert für die Bevölkerung darstellen“. Die KBV sprach in ihrer Berichterstattung dann selbst von überflüssigen Krankenhäusern. Hintergrund ist – auch angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl im Herbst – die Diskussion um die künftige Organisation einer strukturierten Versorgung.

„‚Überflüssig‘ steht für entbehrlich, verzichtbar, überschüssig, redundant und sinnlos – das macht eine konstruktive Debatte über (vereinzelte) sinnvolle strukturelle Veränderungen von vorn herein schwierig“, so Pohle in dem Brief. Dies suggeriere jedoch, das auch „unsere ärztlichen Kolleginnen und Kollegen in der stationären Versorgung scheinbar überflüssig seien“. Aus seiner Sicht gebe es beispielsweise im Land Brandenburg weder überflüssige Krankenhäuser noch eine überflüssige stationäre Versorgung. „Ich, als niedergelassener Arzt, brauche für meine Patienten auch das kleine, normale Krankenhaus der Grundversorgung und nicht nur hochspezialisierte Zentren.“

Pohle verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass in den letzten zwanzig Jahren 14 Prozent der Krankenhäuser im Bundesgebiet „wegrationalisiert“ und 30 Prozent der Betten gestrichen worden seien – bei 30 Prozent mehr Patienten. „Die Arbeitsdichte und die Belastung für die Kolleginnen und Kollegen in der stationären Versorgung sind damit einhergehend über die Jahre stetig gestiegen.“ Insofern sei die Wortwahl „überflüssig“ in der Sache grundsätzlich nicht treffend, so Pohle. (stp)

Offener Brief des Vorsitzenden des Hartmannbund-Landesverbandes Brandenburg, Dr. Hanjo Pohle, an den KBV-Vorstandsvorsitzenden, Dr. Andreas Gassen