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21.06.2017 // Arznei- und Heilmittelvereinbarungen 2017

Das Ende der Richtgrößenprüfungen

In Nordrhein gehören Richtgrößenprüfungen der Vergangenheit an. Das sehen die Arznei- und Heilmittelvereinbarungen 2017 zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein und den Krankenkassen vor, die rückwirkend zum 1. Januar 2017 in Kraft tritt. Das vereinbarte Finanzvolumen für Arzneimittelverordnungen liegt für das Jahr 2017 bei 3,9 Milliarden Euro, für Heilmittel bei 688 Millionen Euro.

Eine Praxis kann der neuen Vereinbarung zufolge erst dann in die Wirtschaftlichkeitsprüfung kommen, wenn die Kosten der innerhalb eines Kalenderjahres verordneten Arznei- oder Heilmitteln mehr als 50 Prozent über dem Fachgruppendurchschnitt liegen. Bislang war eine Praxis auffällig, wenn sie mit 25 Prozent über der vereinbarten Richtgröße lag. Die Durchschnittswerte der Praxen sollen zudem differenziert nach Altersgruppen berechnet werden. Ein Regressverfahren wird allerdings auch bei der Überschreitung der 50-Prozent-Marke erst dann eingeleitet, wenn eine oder mehrere der fachgruppenspezifischen Verordnungsquoten nicht eingehalten worden sind. Sind alle Quoten erfüllt, sind keine Sanktionen zu befürchten.

Bei Allgemeinmedizinern und hausärztlich tätigen Internisten ersetzt der Medikationskatalog der Kassenärztlichen Bundesvereinigung die bisherigen vier DDD-Quoten. „Dies ist ein weiterer Schritt zur inhaltlichen Steuerung der Arzneimittelverordnungen“, so der KV-Vorstandsvorsitzende Frank Bergmann. Die Ärztinnen und Ärzte sollen Diagnose, Therapie und in dem Zusammenhang die Auswahl der passenden Wirkstoffe verantworten, nicht jedoch die Kosten. Erhalten bleiben die Quoten für Generika und Me-too-Präparate sowie Blutzuckerteststreifen.

Die Verordnungsausgaben der Praxen sollen zudem auch künftig um vereinbarte Praxisbesonderheiten bereinigt werden. Mit Ausnahme der Insuline werden sie künftig nur noch in voller Höhe anerkannt. 14 Praxisbesonderheiten sind ganz weggefallen. Zur Begründung führten die Vertragspartner an, dass für die betreffenden Präparate ausreichend generische Wirkstoffe zur Verfügung stünden oder deren Verordnung keine Besonderheit mehr darstelle.

Ärztinnen und Ärzte, die sich neu niedergelassen haben, werden in den ersten beiden Jahren nicht geprüft, sondern bei Auffälligkeiten beraten. Bei allen anderen Ärzten greift das Prinzip „Beratung vor Regress“, wenn sie erstmals auffällig werden. Wer eine Beratung bekam oder einen Regress hatte, danach aber fünf Jahre lang unauffällig bleibt, wird so behandelt, als habe es nie Auffälligkeiten gegeben.

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