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Presse

06.02.2017 // Überzogene Software-Kosten für Heilmittel-Update

Politik muss KBV und Ärzten den Rücken stärken

Seit 1. Januar 2017 ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Vertragsärzte für die Verordnung von Heilmitteln nur noch eine zertifizierte Software einsetzen. Spätestens am 31. März läuft auch die zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband getroffene Übergangsregelung aus.

„Die durch eine Gesetzesänderung erneut notwendige Anpassung der Praxissoftware lassen sich die Softwarehersteller oft als überteuertes Zusatzpaket vergolden, selbst wenn der Vertrag mit dem PVS-Hersteller ein monatliches Update beinhaltet“, erklärt der Vorsitzende des Hartmannbund-Landesverbandes Sachsen, Dr. med. Thomas Lipp. „Ein PVS-Hersteller, der beispielweise 36.000 Betriebssysteme in Arztpraxen laufen hätte, käme bei 500 Euro Installationskosten pro Praxis auf satte 18 Millionen Euro Extra-Einnahmen“, verdeutlicht Lipp. Eine Gewinnmaximierung von Softwarehäusern hatte der Gesetzgeber sicher nicht im Sinn.

Lipp appelliert an die Politik, dem Preisgebaren der Softwarehäuser künftig einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben. Als Arzt sei man bei der Behandlung der Patienten von der gewählten Software komplett abhängig. Es sei notwendig, jetzt die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, die der KBV gestatten, künftig auch eigene Praxisverwaltungssoftware als Basisalternative anzubieten. Jedes Programm müsse außerdem zwingend eine verwertbare, nichtmanipulierte offene Schnittstelle aufweisen, ansonsten dürften diese weder zugelassen noch weiterbetrieben werden. Bei den noch zu erwartenden anstehenden digitalen Entwicklungen sei der Gesetzgeber als Verursacher in der Pflicht, der Preisspirale Einhalt zu gebieten und den Ärzten den Rücken zu stärken, damit gesetzliche Vorgaben überhaupt akzeptiert und umsetzbar werden.