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Pressemitteilungen

09.11.2015 // Konzept zum Thema „Patientensteuerung“ angekündigt

Reinhardt fordert aktivere Rolle von Selbstverwaltung und Verbänden als Gestalter des Gesundheitssystems

Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, hat die Ärzteschaft aufgefordert, sich stärker als Gestalter des Gesundheitssystems zu profilieren. Selbstverwaltung und Verbände seien gefordert, es nicht bei der Kritik an geplanten Gesetzesvorhaben zu belassen, sondern selber Lösungen und Konzepte zur Bewältigung bestehender Herausforderungen zu entwickeln und in die politische Debatte einzubringen. „So manches Gesetz, an dem wir nun schwer zu tragen haben, ist vielleicht in Teilen auch Folge der Konzeptlosigkeit und der mangelnden Handlungsfähigkeit der Akteure auf Seiten der Ärzteschaft“, sagte Reinhardt auf der Hauptversammlung des Verbandes in Berlin. Er appellierte in diesem Zusammenhang ausdrücklich dafür, eigene Vorschläge nicht als „reine Wunschkonzerte“ zu gestalten, sondern dabei gesellschaftspolitische Realitäten anzuerkennen. „Das erfordert Mut und Phantasie, ist aber alternativlos, wenn wir ein System mitgestalten wollen, das auch in Zukunft die Wahrung unserer ärztlichen Unabhängigkeit gewährleistet“, sagte der Hartmannbund-Vorsitzende.

Als eine von den Ärzten mit zu gestaltende zentrale Herausforderung nannte Reinhardt die Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Systems der Gesetzlichen Krankenversicherung durch die Einführung von intelligenten Instrumenten der Patientensteuerung. „Jede Bemühung um eine sachgerechte substantielle medizinische Versorgung einer immer älter werdenden Bevölkerung wird am Ende nutzloses Stückwerk bleiben, wenn wir nicht Mut und Phantasie aufbringen, intelligente und pragmatische Instrumente zur Steuerung der Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems zu entwickeln“, sagte Reinhardt. Es sei nicht zuletzt auch eine Frage der Solidarität in einem gemeinschaftlich finanzierten und nur mit begrenzten Ressourcen ausgestatteten Gesundheitssystem, den ungeregelten Zugang Weniger zu Lasten der Mehrzahl von Beitragszahlern zu vermeiden. Dabei, so Reinhardt, müssten nicht nur Möglichkeiten der Mengensteuerung diskutiert werden. „Es muss intensiv auch über die Vermeidung therapeutischer Redundanzen und über Fehlversorgung gesprochen werden – selbstverständlich unter dem Vorbehalt, dass all diese Maßnahmen den Anspruch von Patienten auf notwendige Behandlungen nicht berühren dürfen.“ Auch die Kostenträger seien gefordert, sich nicht nur dieser Diskussion zu stellen, sondern auch ihrer wirtschaftlichen und solidarischen Verantwortung für Maßnahmen einer Patientensteuerung gerecht zu werden. Reinhardt kündigte an, dass der Hartmannbund im kommenden Jahr ein eigenes Konzept zur „Patientensteuerung“ in die politische Diskussion einbringen werde.

Nicht zuletzt mit Blick auf die Diskussion über die Einführung sogenannter Portalpraxen mit ihrer einseitigen Finanzierung zu Lasten des ambulanten Budgets erneuerte Reinhardt seine Forderung, bei der Entwicklung versorgungspolitischer Konzepte auf eine intelligente Vernetzung stationärer und ambulant zu erbringender Leistungen in gemeinsamer Verantwortung zu setzen. „Wir dürfen hier keine neuen Gräben zulassen, sondern wollen gemeinsam und koordiniert Lösungen finden, die nicht auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen ausgetragen werden und trotzdem das erbringbare Leistungsvolumen aller Versorgungsebenen ausschöpfen.“

Pressesprecher

Michael Rauscher

Tel.: 030 206208-11

Fax: 030 206208-711

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