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Rechtsprechung

14.06.2012 // BGH-Urteil

Arzt haftet für Folgefehler

Ein Arzt muss auch für die Komplikationen einer Operation haften, die wegen eines ärztlichen Fehlers notwendig geworden ist – und zwar selbst dann, wenn er sie nicht eigenständig durchgeführt oder nicht daran teilgenommen hat. Einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe gilt dies auch für übliche Komplikationen, die medizinisch nicht durch den Fehler verursacht sind (Az.: VI ZR 157/11).

Im konkreten Fall waren bei einer Patientin während einer Koloskopie ein Tumor und ein kleiner gestielter Polyp festgestellt worden. Beides sollte bei einer Operation entfernt werden. Tatsächlich entfernte der Arzt aber nur den Polypen, nicht den tiefer gelegenen Tumor. Nach der notwendig gewordenen weiteren Operation zur Entfernung des Tumors, die die Patientin in einer anderen Klinik und von einem anderen Arzt durchführen ließ, stellten sich verschiedene Komplikationen ein, darunter eine Wundheilungsstörung im Bereich der Bauchdecke sowie eine Anastomoseninsuffizienz im Bereich der Darmnaht.

Der BGH entschied nun, dass der erste Arzt und seine Klinik der Patientin ein Schmerzensgeld von 40.000 Euro sowie 16.440 Euro für eine Haushaltshilfe zahlen müssen. Dem Argument der Verteidigung, der Fehler habe nichts mit den Komplikationsrisiken der Folgeoperation zu tun, folgten die Richter nicht. Diese stellten vielmehr fest, dass sowohl rechtlich als auch tatsächlich ein "Kausalzusammenhang" bestehe: Ohne den groben Fehler beim ersten Eingriff wäre ein Zweiteingriff nicht erforderlich gewesen.

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