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Rechtsprechung

17.04.2014 // Schadenersatzklage

Nach Schönheits-OP: Klinik und Medizinstudentin haften für Behandlungsfehler

Für einen Fehler nach einer Schönheitsoperation im Juni 2011 müssen eine Privatklinik, der operierende Arzt und eine Medizinstudentin haften. Das hat das Landgericht Mainz entschieden. Die Studentin hatte – damals im 10. Semester – einer frisch operierten Patientin versehentlich ein Narkosemittel verabreicht. Diese erlitt daraufhin einen Atem- und Kreislaufstillstand, musste vom alarmierten Notarzt reanimiert werden und liegt seitdem im Wachkoma. Die Höhe des Schadenersatzes soll nach einer weiteren Beweisaufnahme festgelegt werden.

Die unter Diabetes leidende Patientin hatte in der Mainzer Klinik einen plastisch-ästhetischen Eingriff im Gesicht vornehmen lassen, der ohne Komplikationen verlief. Nach der in Vollnarkose durchgeführten Operation sollte sie noch ein bis zwei Tage in der Privatklinik verbleiben. Am Abend nach der Operation war als einzige Nachtwache eine Medizinstudentin vorgesehen. Diese sollte neben der Betreuung der Patientin den Operationssaal aufräumen, eine Medikamentenliste erstellen und – falls möglich – ein Ikea-Regal zusammenbauen.

Nachdem die Patientin über Übelkeit geklagt hatte und sich mehrfach erbrochen hatte, entschied die Studentin sich dazu, ihr Flüssigkeit zu verabreichen, nutzte dazu aber eine angebrochene Infusion, die sich noch im Operationssaal befand, da in der Akte mit der Medikationsliste unter anderem „Infusionsrest aus OP i.v.“ vermerkt war. Das Etikett wies die Infusion mit der Aufschrift „NaCl“ als Kochsalzlösung aus. Der Inhalt war jedoch milchig, zudem war der Lösung Propofol beigefügt, was dem gerichtsmedizinischen Gutachter zufolge zur Narkotisierung der Patientin, einem Zurückfallen der Zunge und infolgedessen zu einem globalen Sauerstoffverlust führte.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass strukturelle Probleme in der Organisation der Klinik die Fehler bei der Nachbehandlung verursacht hätten. Der operierende Arzt und zugleich Geschäftsführer der Klinik hätte erkennen müssen, dass die Medizinstudentin nicht für die Nachtwache geeignet war. Die postoperative Betreuung einer Diabetikerin sei eine komplexe Aufgabe, sodass die Betreuung einer frisch operierten Patientin keinesfalls einer Studentin alleine hätte anvertraut werden dürfen. Die Studentin sei ihrerseits deswegen haftbar zu machen, da sie eine angebrochene Infusion verabreicht habe, von der sie nicht sicher wissen konnte, worum es sich handelt. Sie habe eine Reihe von fatalen Fehlentscheidungen getroffen und sei mit der Situation überfordert gewesen. Sie habe auch nicht gewusst, was im Notfall zu tun sei.

Az.: 2 O 266/11

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