Ostergruß vom Landesvorsitzenden: Finanzierung des Gesundheitssektors im Fokus

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Jahr schreitet stetig voran. Während wir zuletzt stark vom allgemeinen Weltgeschehen überrollt wurden, gab es zugleich auch einige bemerkenswerte Entwicklungen im Gesundheitswesen, an denen ich Sie im Rahmen meiner österlichen Gedanken exemplarisch teilhaben lassen möchte.

Im Fokus standen zuletzt vor allem die Finanzierung des Gesundheitssektors – insbesondere der Anstieg der Krankenkassenbeiträge –, Fragen der Patientensteuerung, zunehmende Eingriffe der Apotheken in ärztliches Handeln sowie das Krankenhausstrukturreformänderungsgesetz.

Über lange Zeit schien sich vieles ausschließlich um finanzielle Aspekte zu drehen: Wie lassen sich steigende Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) begrenzen, während gleichzeitig die ebenfalls stark wachsenden Belastungen privat Versicherter häufig außer Acht gelassen werden? Wie kann die Kostenexplosion im Gesundheitswesen eingedämmt werden, ohne die strukturellen Ursachen – auch innerhalb der GKV selbst – konsequent anzugehen? Und wie kann eine umfassende Versorgung gesetzlich Versicherter weiterhin gewährleistet werden, ohne die bereits bestehenden Belastungen durch versicherungsfremde Leistungen ausreichend zu berücksichtigen?

Dabei darf nicht übersehen werden, dass auch die Beiträge der privaten Krankenversicherung (PKV) teils erheblich und in manchen Fällen zweistellig steigen. Besonders betroffen sind hiervon Rentnerinnen und Rentner, die mit dieser Entwicklung oft nur schwer Schritt halten können. Gleichzeitig bestehen seit jeher Unterschiede sowohl im Leistungsumfang als auch in der Vergütung zwischen GKV und PKV, die sich auch im Versorgungsverhalten widerspiegeln.

Ein zentrales Thema bleibt zudem die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen, etwa für Bürgergeldempfänger, Sozialhilfe oder Familienversicherte. Diese wurden bislang maßgeblich von den Beitragszahlern mitgetragen. Politische Uneinigkeit über eine stärkere staatliche Beteiligung führt jedoch weiterhin zu Belastungen für Versicherte und Arbeitgeber. Gleichzeitig werden zusätzliche Leistungen in den Katalog aufgenommen, was den finanziellen Druck weiter erhöht.

Erstaunlich wenig Beachtung findet bislang das erhebliche Einsparpotenzial innerhalb der GKV selbst. Verschiedene Analysen gehen von möglichen Einsparungen in Milliardenhöhe aus – etwa durch Bürokratieabbau, den Abbau von Doppelstrukturen, Effizienzsteigerungen und eine konsequente Digitalisierung. Auch personelle Strukturen sollten in diesem Zusammenhang kritisch überprüft werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Patientensteuerung, die grundsätzlich ein sinnvoller Ansatz zur Bewältigung struktureller Herausforderungen sein kann. Diskutiert werden unter anderem eine stärkere Rolle des Hausarztes als erste Anlaufstelle, digitale Lösungen zur Terminvergabe sowie eine aktivere Steuerung durch die Krankenkassen. Gleichzeitig werfen solche Modelle Fragen hinsichtlich der Umsetzbarkeit, der ärztlichen Freiberuflichkeit und möglicher Auswirkungen auf Versorgungsqualität und Wartezeiten auf.

Hinzu kommt, dass sich die ärztliche Arbeitszeit in den vergangenen Jahren reduziert hat, was auch mit dem steigenden Anteil angestellter Ärztinnen und Ärzte zusammenhängt. Eingriffe in die bestehende Versorgungsstruktur könnten diese Entwicklung weiter verstärken und damit die ambulante Versorgung, die einen Großteil der Patienten abdeckt, nachhaltig beeinflussen.

Auch die geplanten Änderungen im Apothekerrecht werden kontrovers diskutiert. Die Ausweitung von Kompetenzen – etwa im Bereich Impfungen, Diagnostik oder Arzneimittelabgabe – wirft Fragen hinsichtlich Verantwortlichkeiten, Haftung und der Abgrenzung ärztlicher Tätigkeiten auf. Gleichzeitig könnten strukturelle Veränderungen im Apothekenwesen langfristig neue Marktteilnehmer anziehen und das bestehende System grundlegend verändern.

Abschließend ein kurzer Blick auf die Krankenhausstrukturreform, exemplarisch am Beispiel Bremen: Der Transformationsdruck bleibt hoch. Diskussionen um Zusammenlegungen, Spezialisierungen und Standortschließungen gehen einher mit steigenden Kosten und einer angespannten Personalsituation. Gleichzeitig berichten Patientinnen und Patienten von Überlastungssituationen in Kliniken. Umso dringlicher erscheint die Entwicklung eines klaren, transparenten und breit abgestimmten Gesamtkonzepts für die zukünftige Krankenhauslandschaft.

Für diesen Osterbrief sollen diese Gedanken genügen. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Osterzeit und vor allem Gesundheit.

Viele Grüße

Ihr
Michael Langholz
Hartmannbund Bremen, Landesvorsitzender