Patientenbefragung in bayerischen Notaufnahmen zeigt hohe subjektive Dringlichkeit der Beschwerden

Seit Ende der COVID-19-Pandemie ist die Zahl der ambulanten Notfälle in den Notaufnahmen der Kliniken in Deutschland stetig angestiegen. Darunter ist ein hoher Anteil von Patientinnen und Patienten, die selbständig eine Notaufnahme aufsuchen. Weil steigende Patientenzahlen in den Notaufnahmen die Qualität der Versorgung beeinträchtigen können, zielt die anstehende Reform der Akut- und Notfallversorgung auf eine effektive und sichere Steuerung aller Patientinnen und Patienten, die sich mit einem Hilfegesuch an die Notfallversorgung wenden. Weniger dringliche und in Praxen behandelbare Inanspruchnahmen sollen in die vertragsärztliche Versorgung gelenkt werden. Um ein tieferes Verständnis für die subjektiven Vorstellungsgründe von Hilfesuchenden zu gewinnen, hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) gemeinsam mit zahlreichen Projektpartnern die derzeit deutschlandweit größte Patientenbefragung in bayerischen Notaufnahmen vorgenommen, deren Ergebnisse aktuell veröffentlicht worden sind.

Demnach schätzen sich 88 Prozent der Befragten selbst als „dringlich“ oder sogar als „Notfall“ ein. Rund 63 Prozent der Befragten hatten sich entweder selbst entschieden, die Notaufnahme aufzusuchen, oder waren von Freunden, Bekannten, Kollegen oder anderen nicht-medizinischen Stellen dazu angehalten worden. Nur etwa ein Fünftel (19,8 Prozent) der Befragten war der Meinung, dass ihr Anliegen auch vertragsärztlich hätte behandelt werden können. Knapp 40 Prozent der befragten Patientinnen und Patienten hatten vor der Konsultation der Notaufnahme versucht, eine haus- oder fachärztliche Praxis zu kontaktieren. Dabei wurden oftmals Terminprobleme bzw. Nichterreichbarkeit als Hürden genannt. Die Kontaktaufnahme war bei Hausärztinnen und Hausärzten in 87,5 Prozent und bei Fachärztinnen und Fachärzten in 73,2 Prozent erfolgreich.

Die Servicenummer 116117 war 61,8 Prozent der Befragten bekannt. Unbekannt war 34,8 Prozent der Studienteilnehmenden, dass der Ärztliche Bereitschaftsdienst über diese Rufnummer zu erreichen ist, und in 76,8 Prozent, dass Termine in Arztpraxen vermittelt werden können. Die telefonische Beratung unter der 116117 kannten 36,7 Prozent der Befragten. Das Wissen um die Rufnummer variierte allerdings signifikant nach Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Migrationshintergrund und Online-Informationsverhalten. Rund ein Viertel der Befragten (23,7 Prozent) zeigte sich offen, eine strukturierte digitale Selbsteinschätzung vorzunehmen. Rund 90 Prozent davon hätten ein auf dieser Basis angebotenes Terminangebot in einer Praxis angenommen.