Die Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, die elektronische Patientenakte (ePA) zum zentralen Baustein der Gesundheitsreform zu machen, bewertet der Arbeitskreis I „Ambulante Versorgung“ des Hartmannbundes grundsätzlich positiv. Eine sektorenübergreifende Datenverfügbarkeit biete die Chance, die ambulante Versorgung nachhaltig zu stärken.
„Voraussetzung ist jedoch, dass die ePA im Praxisalltag praktikabel funktioniert“, so Arbeitskreis-Vorstandsmitglied Hans-Ulrich Braun. „Derzeit scheitert die Nutzung vielfach an komplexen, mehrstufigen Authentifizierungs- und Freigabeprozessen.“ Diese technischen Hürden würden den Versicherten die Einrichtung und Steuerung ihrer Zugriffsrechte erschweren. Hinzu kämen Informationsdefizite: Viele Patientinnen und Patienten wüssten nicht ausreichend, welche konkreten Vorteile die ePA biete und wie sie diese sinnvoll nutzen können. Eine Reformstrategie müsse deshalb neben der technischen Weiterentwicklung auch ein strukturiertes, verständliches und bundesweit einheitliches Informations- und Onboarding-Konzept umfassen.
„Datensicherheit hat höchste Priorität – darf aber nicht dazu führen, dass digitale Anwendungen faktisch ungenutzt bleiben. Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit müssen konsequent miteinander in Einklang gebracht werden“, betont Arbeitskreis-Mitglied Dr. Ahmad Sirfy. Die ePA besitze erhebliches Potenzial, die ambulante Versorgung effizienter, transparenter und koordinierter zu gestalten. Dieses könne jedoch nur ausgeschöpft werden, wenn technische Ausgestaltung, Prozesse und Kommunikation konsequent an der Versorgungsrealität orientiert seien.
Der Arbeitskreis unterstützt die Zielsetzung, die ePA zu stärken und appelliert daher an die politisch Verantwortlichen, die praktische Umsetzbarkeit und tatsächliche Nutzbarkeit der ePA in den Mittelpunkt der weiteren Reformschritte zu stellen.