
Dr. Klaus Reinhardt
Der Hartmannbund nimmt die heute von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken vorgestellten Sparvorschläge der Finanzkommission Gesundheit mit Interesse zur Kenntnis. Der Verband sieht sie als konstruktive, rationale Grundlage dafür, wie man die Beiträge unter allen im Gesundheitssystem Beteiligten ausgewogen und fair verteilen kann. Zugleich betont der Verband, dass Ärztinnen und Ärzte nicht überproportional belastet werden dürfen. Wichtig sei, dass jetzt im zweiten Schritt nachhaltige Strukturreformen kommen, die auch Mitverantwortung für die eigene Gesundheit beinhalten.
„Uns allen sollte angesichts des prognostizierten Defizits von rund 15 Milliarden Euro allein in 2027 klar sein, dass jetzt ein gemeinsamer, einnahmenorientierter sparpolitischer Kraftakt nötig ist, um die GKV und generell unsere Sozialsysteme zu stabilisieren“, sagt Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes. „Die heute vorgeschlagenen kurzfristigen Maßnahmen im GKV-Bereich, die wir nun genauer prüfen werden, sind insofern nur eine Erste-Hilfe-Maßnahme. Eine vollständige Rekonvaleszenz können wir nur im Zweiklang mit Strukturreformen im System erreichen, so wie sie im Herbst geplant sind. Erfreulich ist, dass hierbei auch Prävention und Patientensteuerung eine wichtige Rolle spielen sollen.“
Gerade bei den Ärztinnen und Ärzten seien die Sparmöglichkeiten begrenzt, wenn eine wohnortnahe, flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung erhalten bleiben soll. „Viele niedergelassene Kolleginnen und Kollegen arbeiten bereits heute an der Belastungsgrenze“, so Reinhardt. „Sie dürfen nicht noch zusätzlich unter Druck geraten. Wir befinden uns bekanntlich in einer demografischen Zange: Die alternde Gesellschaft führt zu einem höheren Behandlungsaufwand pro Kopf und das ohnehin hohe Arbeitspensum der aktiven Ärztinnen und Ärzte verdichtet sich allein durch die große Anzahl der Kolleginnen und Kollegen, die in den Ruhestand gehen. Daraus folgt: Wir brauchen Lösungen mit Augenmaß, die das Gesundheitssystem finanziell entlasten, ohne die Patientenversorgung zu schwächen. Im Rahmen der langfristig angelegten Maßnahmen muss die Eigenbeteiligung und Mitverantwortung in zumutbarem Maße eine wichtige Rolle spielen. Das beinhaltet die Förderung verantwortlichen gesundheitlichen Verhaltens in der Bevölkerung.“