Hartmannbund-Vorstand: Arbeitsmoral deutscher Arbeitnehmer entscheidet sich nicht in den Arztpraxen

Der Vorstand des Hartmannbundes hat sich auf seiner jüngsten Sitzung klar gegen eine Abschaffung der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausgesprochen. „Die telefonische AU ist nicht das zentrale Problem des deutschen Gesundheitswesens – und auch nicht des Arbeitsmarktes“, betont der Vorstand.

Nach aktuellen Auswertungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) in Zusammenarbeit mit der Barmer gehen jährlich maximal 1,2 Prozent der Krankheitstage in Deutschland auf telefonische Krankschreibungen zurück. Außerdem entfallen laut dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) rund 40 Prozent der Fehltage auf Erkrankungen mit einer Dauer von mehr als sechs Wochen.

Gerade in Zeiten starker Infektionswellen stelle die telefonische AU eine wichtige Unterstützung für Arztpraxen dar. Sie helfe, Wartezimmer zu entlasten und unnötige Ansteckungsrisiken zu vermeiden. Zudem sei geregelt, dass Praxen eine telefonische Krankschreibung nur bei Patientinnen und Patienten ausstellen dürfen, die ihnen bereits persönlich bekannt sind.

Der Hartmannbund warnt daher vor einer einseitigen Fokussierung der Debatte auf dieses Instrument. Die eigentlichen Ursachen für Fehlzeiten lägen nicht in den Arztpraxen. „Fragen der Motivation, der Arbeitsbereitschaft und des Umgangs mit Fehlzeiten müssen in den Unternehmen zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten geklärt werden“, heißt es aus dem Vorstand.

Der Hartmannbund fordert Politik und Öffentlichkeit auf, die Diskussion um die telefonische AU sachlich zu führen und sich stärker auf die strukturellen Herausforderungen im Gesundheits- und Arbeitsmarkt zu konzentrieren.