Kamingespräch mit Dr. Klaus Reinhardt zur Zukunft des Gesundheitswesens 

Am 30. September fand im Berliner Hartmannbund-Haus das traditionelle Kamingespräch mit dem Bundesärztekammerpräsidenten und Hartmannbund-Vorsitzenden Dr. Klaus Reinhardt statt. Dabei drehte sich alles um die aktuelle gesundheitspolitische Lage und insbesondere die anstehenden Reformen und deren Folgen. 

Am Kamingespräch im Berliner Hartmannbund-Haus nahmen zahlreiche Interessierte teil.

Der Abend war bereits die dritte Veranstaltung Kamingespräch-Reihe, die von der Vorsitzenden des Hartmannbund Landesverbandes Berlin, Miriam Vosloo, dem 1. Stellvertretenden Vorsitzenden, Prof. Uwe Torsten, und der 2. Stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Andrea Lietz-Partzsch initiiert wurde und als offenes Forum und Think Tank gedacht ist. 

Dr. Reinhardt ordnete vor allem die aktuellen Sparmaßnahmen gewohnt sachkundig und konstruktiv ein und bot durch seine fundierten Kenntnisse tiefere Einblicke in die aktuelle Gesundheitspolitik und das zukünftige Gesundheitswesen. Insbesondere das GKV-Beitragsstabilisierung werde demnach verschiedene Akteure hart treffen. So werden der Ärzteschaft vermutlich rund 5 Prozent des Gesamthonorars im ambulanten Bereich verloren gehen. Gleichzeitig müssen auch Patient:innen Einbußen hinnehmen – sowohl finanziell als auch leistungstechnisch. Doch klar ist: Geld, das ausgegeben werden soll, muss erst einmal erwirtschaftet werden und genau daran hapere es derzeit. 

Um dennoch langfristig eine verlässliche Gesundheitsversorgung sicherzustellen, brauche es eine verstärkte Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsfachberufe. Vor allem der Berufsstand der Ärzteschaft müsse gemeinsam und ohne Konkurrenzgedanken agieren. Außerdem müssten Ressourcen künftig effizienter genutzt werden. Das Prinzip der Primärversorgung, aber auch die Regelungen der bevorstehenden Notfallreform könnten hier laut Reinhardt erste Entlastung bringen.

Dr. Reinhardt ordnete beim Kamingespräch die gesundheitspolitische Lage ein.

Im Gespräch widmete sich Dr. Reinhardt auch dem Aspekt der drohenden Deprofessionalisierung ärztlicher Tätigkeiten, die beispielsweise durch neue Gesundheitsangebote in Drogeriemärkten befeuert werde. Hier gelte es, die ärztlichen Kompetenzen und Leistungen zu stärken, anstatt auszuhöhlen. Umso kritischer betrachtete der BÄK-Präsident und Hartmannbund-Vorsitzende die mit dem Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) geplanten erweiterten Kassenbefugnisse, die einen deutlichen Eingriff in das Arzt-Patienten-Verhältnis darstellen würden. Für Dr. Reinhardt ist klar: Die Patientenberatung gehört in ärztliche Hände und das soll auch so bleiben. 

Die Gesprächsrunde bot die Gelegenheit zum konstruktiven Austausch. Insbesondere brachten die Teilnehmenden ihre eigenen Perspektiven anhand persönlicher Erfahrungen aus der Praxis ein.