Berlin krisenfest machen: Gesundheitsversorgung vor Ort stärken

Der Hartmannbund Landesverband Berlin und der Berliner Apotheker-Verein stellen in einem gemeinsamen Positionspapier fest, dass Berlin auf größere Krisen- und Notlagen auch in Bezug auf die Gesundheitsversorgung bisher nur unzureichend vorbereitet ist. In dem heute veröffentlichten Papier konstatieren beide Organisationen angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen sowie möglicher Versorgungsengpässe akuten politischen Handlungsbedarf.

Die Vorsitzende des Hartmannbund Landesverbandes Berlin, Miriam Vosloo sagt: „Die Politik muss der Resilienz des Gesundheitswesens endlich die notwendige zentrale Bedeutung zumessen – und ein krisenfestes Gesundheitswesen kann nicht allein auf Krankenhäuser gestützt werden. Es benötigt starke dezentrale Versorgungsstrukturen, die auch unter außergewöhnlichen Bedingungen handlungsfähig bleiben. Niedergelassene Arztpraxen und Vor-Ort-Apotheken bilden das Rückgrat einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung. Sie gewährleisten die schnelle medizinische und pharmazeutische Betreuung der Bevölkerung sowie die unmittelbare Verfügbarkeit von Arzneimitteln – auch dann, wenn Lieferketten, Verkehrswege oder digitale Infrastrukturen beeinträchtigt sind.“

„Ausländische Arzneimittelversender und telemedizinische Angebote können die persönliche Versorgung vor Ort nicht ersetzen – insbesondere nicht in Krisen- und Katastrophenlagen. Eine Gesundheitsversorgung, die sich zunehmend auf zentrale oder grenzüberschreitende Strukturen stützt, verliert an Widerstandsfähigkeit“, ergänzt Anke Rüdinger, Vorsitzende des Berliner Apotheker-Vereins.

Vor diesem Hintergrund wenden sich der Hartmannbund Landesverband Berlin und der Berliner Apotheker-Verein mit sieben Forderungen an den Berliner Senat, das Abgeordnetenhaus von Berlin und die Berliner Bezirke. Dazu gehören die Entwicklung einer Berliner Resilienzstrategie für das Gesundheitswesen, die Sicherung einer flächendeckenden Präsenz von Arztpraxen und Apotheken und die Stärkung der ambulanten Gesundheitsversorgung. Dem fortschreitenden Praxen- und Apothekensterben muss entschlossen entgegengewirkt werden. Durch eine Bundesratsinitiative zur Beendigung des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln soll das Land Berlin dem Abfluss von Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung ins Ausland und der damit verbundenen Schwächung der wohnortnahen Versorgung entgegenwirken. Zusätzlich fordern die niedergelassenen Ärzt:innen und Apotheker:innen die verlässliche Finanzierung von Resilienzmaßnahmen und eine langfristig angelegte Gesundheitspolitik, die dauerhafte Versorgungssicherheit statt kurzfristiger Effizienzgewinne in den Mittelpunkt ihres Handelns stellt.

Das vollständige Positionspapier finden Sie hier