Der Hartmannbund Brandenburg fordert, sich mit Nachdruck endlich dem Grundproblem des umlagefinanzierten GKV-Systems in Verbindung mit sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen zuzuwenden und – wie dies der Hartmannbund seit Jahren in seinen Grundsatzpositionen fordert – zu reformieren.
Die aktuelle Diskussion über das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz und die unausgegorenen Überlegungen zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) sei sinnbildlich für eine gewisse Ignoranz politischer Entscheidungsträger gegenüber den zentralen gesellschaftspolitischen Herausforderungen. Das weitere Aussitzen letzterer könne jedoch die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung gefährden, warnt der Vorsitzende des Brandenburger Hartmannbundes, Dr. Hanjo Pohle. Die eigentlichen strukturellen Herausforderungen für die Gesundheitsversorgung durch Demographie und medizinischen Fortschritt bestünden nach wie vor und würden nicht adressiert. „Es findet lediglich ein Sich-Abarbeiten an den Symptomen des nicht zukunftsfähigen GKV-Systems statt und es wirkt manchmal, als ob einige Entscheidungsträger bewusst die Augen vor den eigentlichen Problemen verschließen“, äußert sich Pohle weiter.
Zudem sei das Krankschreibungsverhalten der Bevölkerung ein Nebenschauplatz. „Die Begründung aus der Politik, dass die Krankschreibungen in Deutschland mit durchschnittlich 17 Tagen im internationalen Vergleich zu hoch zu seien, ist nicht ohne Ironie, wenn man die Zahlen zum Krankenstand in den Regierungsbehörden zur Kenntnis nimmt. Diese lägen weit über dem Durchschnitt der Bevölkerung. Spitzenreiter ist der Bundesrat mit 25,2, gefolgt vom Bundestag mit 22,3 und als Dritter das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit 21,5 Krankheitstagen“, so der Rathenower Allgemeinmediziner.
Selbstverständlich gelte nach wie vor der Grundsatz, dass es für eine Krankschreibung auch einen triftigen Grund geben müsse. Der Krankenstand in den Ministerien zeige jedoch, dass es darauf ankomme, die Ursache häufiger Krankschreibungen anzugehen. Und gerade dieses Beispiel mache klar, dass es ein gesellschaftspolitischer Fehlschluss sei, ein ganzes Land zumindest im Subtext dem Verdacht auf Blaumacherei auszusetzen. Diese Argumentation aus Regierungskreisen könne aus Sicht des Brandenburger Hartmannbund-Vorsitzenden sogar einer Dissonanz zwischen der Bevölkerung und den gewählten politischen Entscheidungsträgern Vorschub leisten.
Die scharfe Kritik aus der Ärzteschaft an der Neuregelung zur AU rühre nicht zuletzt auch daher, dass Ärzte originär dem Patienten verpflichtet seien. Sie dürften sich niemals zum verlängerten Arm eines Staates machen, mit dem Ziel, auf dem Rücken der Patienten Krankschreibungen zu erschweren. Vielmehr müsse es darum gehen, die Ursachen eines hohen Krankheitsstandes zu bekämpfen. Konkret gehe es um gesellschaftliche Verhältnisse, die reaktiv Menschen in die Arbeitsunfähigkeit treiben. „Hierfür, insbesondere für die Herausforderungen und Belastungen der Bevölkerung und auch die Definition von Gesundheitszielen, seien in erster Linie die politischen Entscheidungsträger verantwortlich und nicht die Patienten und ihre Ärzte“, erklärt Pohle abschließend.