Die Krise im Gesundheitswesen ist nur durch eine integrierte, präventionsorientierte und evidenzbasierte Politik zu bewältigen. Dabei muss Gesundheit konsequent zum Leitprinzip politischen Handelns werden. Diesen eindringlichen Appell richtete die Landesdelegiertenversammlung des Hartmannbundes Rheinland Pfalz am 18. April 2026 an die Politik. Die Sicherstellung der zukünftigen Gesundheitsversorgung erfordere einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Unter dem Eindruck aktueller wissenschaftlicher und berufspolitischer Impulse fordert der Verband, Gesundheit nicht länger isoliert zu betrachten, sondern als gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe in allen Politikfeldern zu verankern.
„Wir stehen vor einem Wendepunkt: Wenn wir Gesundheit weiterhin isoliert betrachten, werden wir die Herausforderungen nicht bewältigen. Wir brauchen einen echten Paradigmenwechsel – hin zu einer Versorgung, die sich am Bedarf der Menschen orientiert“, erklärte Dr. Christian Schamberg-Bahadori im Rahmen der Versammlung. Ein zentraler Impuls der Versammlung war das von Univ.-Prof. Dr. Volker Harth erläuterte Konzept „Health in All Policies“ (HiAP). Es zielt darauf ab, gesundheitliche Auswirkungen systematisch in allen politischen Entscheidungen zu berücksichtigen – von der Arbeitsmarkt- über die Bildungs- bis hin zur Umweltpolitik. Da Gesundheit maßgeblich durch soziale Faktoren geprägt wird, greife eine rein kurative Betrachtung innerhalb des Medizinsystems zu kurz. Kritisiert wurde insbesondere, dass Prävention bisher zu stark auf individuelles Verhalten setzt, statt strukturelle Ursachen und vulnerable Bevölkerungsgruppen in den Fokus zu nehmen.
Ergänzend skizzierte Dr. Christian Schamberg-Bahadori das strukturelle Dilemma des Systems: „Eine steigende Krankheitslast – getrieben durch Demografie und medizinischen Fortschritt – trifft auf begrenzte Ressourcen.“ Er kritisierte, dass trotz jahrzehntelanger Reformbemühungen eine konsistente Gesamtstrategie fehle. Fragmentierte Maßnahmen und eine überbordende Bürokratie führten zu Ineffizienzen und Fehlversorgungen. Schamberg-Bahadori forderte insbesondere eine Abkehr von Vergütungslogiken, die sich primär an Einzelleistungen orientieren, hin zu einer Finanzierung, welche die tatsächliche Sicherstellung der Versorgung priorisiert. Aus den Beratungen leitet der Landesverband klare gesundheitspolitische Forderungen ab: