Hartmannbund Westfalen-Lippe: Eine mögliche Krise geht uns alle an

Ob Cyberangriffe auf Krankenhäuser, Pandemien oder ein Verteidigungsfall im NATO-Bündnis: Die Frage, wie krisenfest das deutsche Gesundheitssystem künftig aufgestellt sein muss, ist längst keine theoretische mehr. Auf der Landesdelegiertenversammlung des Hartmannbundes Westfalen-Lippe in Münster sprach Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr und Stellvertreter des Befehlshabers des Unterstützungskommandos der Bundeswehr, zur Resilienz des Gesundheitswesens in Krisen- und Verteidigungsszenarien. Der Landesverband zieht aus dieser wie auch anderen Veranstaltungen klare Schlussfolgerungen und stellt konkrete Forderungen an die Politik.

Für den Hartmannbund Westfalen-Lippe steht fest: Investitionen in das Gesundheitssystem sind Investitionen in die Sicherheit unseres Landes. Zwar ist in den vergangenen Jahren einiges angestoßen worden, doch der Aufholbedarf bleibt erheblich. Der Landesverband fordert daher:

  • Ein Gesundheitssicherstellungsgesetz noch in dieser Legislaturperiode. Es braucht verbindliche rechtliche Grundlagen für eine krisenfeste medizinische Versorgung mit klar definierten Krisenstufen, an die automatisch die notwendigen Maßnahmen geknüpft sind.
  • Ein grundsätzliches Lagebild des Gesundheitssystems. Ohne verlässliche Informationen zu Kapazitäten, Personal und Materialbeständen ist keine seriöse Krisenplanung möglich.
  • Eine höhere Reaktivität des Systems. Strukturen und Reformen müssen den Krisenfall von vornherein mitdenken, nicht nur haushalterisch. Andere Länder gehen hier bereits einen Schritt weiter: Die Schweiz hält bei Krankenhausreformen etwa 500 Betten pro Million Einwohner explizit als Krisenreserve vor, auch wenn selbst solche Reserven, wie Beispiele zeigen, an ihre Grenzen stoßen können.
  • Mehr Kooperation zwischen den Versorgern. Evakuierungen und Krisenszenarien müssen gemeinsam trainiert werden, damit im Ernstfall alle Beteiligten eingespielt sind. Dazu braucht es zeitliche wie finanzielle Ressourcen.
  • Verbindliche Bevorratung. Bestimmte Medikamente und Sanitätsmaterial müssen gesetzlich abgesichert vorgehalten werden.
  • Stärkung des Ehrenamts. Es wird im Ernstfall dringend gebraucht und muss entsprechend gefördert und honoriert werden.

Der Landesvorsitzende, Dr. Hendrik Oen, betonte: „Besonders beeindruckend ist, wie die Ukraine zivile und militärische Versorgung inzwischen praktisch verzahnt hat. Ich gehe davon aus, dass beide Bereiche auch bei uns im Ernstfall enger zusammenwachsen werden, als viele heute annehmen – nicht zuletzt, weil wir künftig deutlich mehr ambulante Versorgung brauchen werden.

Das ist für uns Anlass genug, unser eigenes System kritisch zu hinterfragen und uns jetzt darauf vorzubereiten. Wir werden uns mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die notwendigen politischen Schritte jetzt folgen.”