Der Ausschuss Medizinstudierende im Hartmannbund begrüßt die vom Bundesrat am Freitag bestätigten Änderungen für das Praktische Jahr (PJ). Insbesondere die geplanten zusätzlichen Fehlzeiten bei Krankheit sowie die Aufhebung der bisherigen Obergrenze für die PJ-Aufwandsentschädigung tragen den Realitäten des Medizinstudiums stärker Rechnung und greifen langjährige Forderungen der Hartmannbund-Studierenden auf.
„Es ist richtig, dass Krankheit künftig nicht mehr zulasten der ohnehin begrenzten Fehlzeiten im PJ gehen soll. Studierende dürfen nicht vor die Wahl gestellt werden, krank zur Ausbildung zu erscheinen oder Nachteile im Studienverlauf in Kauf nehmen zu müssen“, erklärt Margarita Karaivanova, Co-Vorsitzende des Ausschusses Medizinstudierende im Hartmannbund.
Positiv bewerten die Hartmannbund-Studierenden außerdem, dass die Begrenzung der PJ-Aufwandsentschädigung auf den BAföG-Höchstsatz aufgehoben werden soll. Damit erhalten Ausbildungseinrichtungen künftig mehr Spielraum bei der finanziellen Unterstützung von PJ-Studierenden. Gleichzeitig weisen die Medizinstudierenden darauf hin, dass damit zentrale Herausforderungen des PJ weiterhin ungelöst bleiben.
„Die Diskussion um Fehlzeiten und Aufwandsentschädigungen darf nicht den Blick auf die eigentliche Aufgabe des Praktischen Jahres verstellen: Es ist der wichtigste praktische Ausbildungsabschnitt des Medizinstudiums. Entscheidend ist deshalb, dass Ausbildung, Supervision und der Erwerb praktischer Kompetenzen im Mittelpunkt stehen“, so Karaivanova weiter.
Besonders begrüßt der Ausschuss Medizinstudierende, dass im Rahmen der Bundesratsberatungen auch die Forderung nach einer bundesweit einheitlichen PJ-Vergütung aufgegriffen wurde. In den Empfehlungen der Ausschüsse wird die Bundesregierung aufgefordert, zu prüfen, wie eine bundeseinheitliche monatliche Vergütung sowie ein Refinanzierungsmechanismus für die Ausbildungseinrichtungen umgesetzt werden können.
„Der Deckel ist weg, jetzt fehlt der Boden“, sagt Kay Dafler, Co-Vorsitzender des Ausschusses Medizinstudierende im Hartmannbund. „Tagsüber in der Klinik, abends im Nebenjob: So sieht für fast jeden zweiten PJler die Ausbildung aus. Ein Praktisches Jahr darf kein Luxus sein. Deshalb brauchen wir eine bundesweit verbindliche Mindestvergütung.“
Diese Zahlen belegen die Ergebnisse einer aktuellen Hartmannbund-Befragung. Demnach mussten 43 Prozent der befragten PJ-Studierenden neben dem Praktischen Jahr arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Gleichzeitig gaben 61 Prozent an, regelmäßig Tätigkeiten ohne erkennbaren Lernwert übernehmen zu müssen.
Für die Hartmannbund-Studierenden macht dies deutlich, dass die aktuelle Reform nur ein erster Schritt sein kann. „Ärztinnen und Ärzte von morgen dürfen nicht die Botengänger von heute sein. Jede Stunde, die im PJ für Botengänge statt fürs Lernen draufgeht, fehlt später am Patientenbett“, betont Dafler abschließend.
Für den Ausschuss Medizinstudierende im Hartmannbund ist klar, dass das Ende der Debatte mit den vorliegenden Reformen noch nicht erreicht ist.