Der Hartmannbund Westfalen-Lippe sieht die geplanten Kompetenzerweiterungen für Apotheken mit großer Sorge. Insbesondere die vorgesehene Ausweitung diagnostischer und therapeutischer Leistungen birgt nach Auffassung des Landesverbandes erhebliche Risiken für die bewährten Strukturen der Patientenversorgung. „Eine gute medizinische Versorgung lebt von Kontinuität. Diagnostik, Therapie und langfristige Betreuung sollten möglichst innerhalb klar abgestimmter Versorgungsstrukturen erfolgen. Unser Ziel muss eine koordinierte Versorgung sein und nicht die Auflösung bewährter Verantwortlichkeiten“, betonte der Landesvorsitzende des Hartmannbundes Westfalen-Lippe, Dr. Hendrik Oen. „Wer Arzneimittel verkauft und gleichzeitig diagnostische oder therapeutische Entscheidungen trifft, gerät zwangsläufig in einen Interessenkonflikt. Medizinische Entscheidungen müssen ausschließlich dem Wohl der Patientinnen und Patienten verpflichtet sein“, erklärte Dr. Oen. Gleichzeitig betont der Landesverband ausdrücklich die Bedeutung der Apothekerschaft als unverzichtbaren Partner im Gesundheitswesen, etwa bei Themen wie dem Medikationsmanagement.
„Es geht ausdrücklich nicht um Konkurrenz zwischen Ärzten und Apothekern. Beide Berufsgruppen erfüllen wichtige Aufgaben. Entscheidend ist jedoch, dass unterschiedliche Qualifikationen und Verantwortlichkeiten erhalten bleiben“, so Dr. Oen weiter. Dr. Moritz Völker, Mitglied des Landesvorstandes ergänzte: „Es darf nicht zu einem Wettbewerb zwischen Berufsgruppen um wirtschaftlich attraktive Leistungen kommen. Unser gemeinsames Ziel muss eine bessere Patientenversorgung sein und nicht die Schaffung neuer Fehlanreize.“ Der Landesverband Westfalen-Lippe bekennt sich ausdrücklich zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die jeweiligen Qualifikationen, Verantwortlichkeiten und bewährten Strukturen der Patientenversorgung gewahrt bleiben. Gesundheitspolitische Reformen müssen sich daran messen lassen, ob sie die Versorgung der Patientinnen und Patienten tatsächlich verbessern und nicht zu neuen Interessenkonflikten, Fehlanreizen oder einer Zersplitterung der Versorgung führen.