Willer: Politik muss sich ehrlich machen

Die Vorsitzende des Hartmannbund Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Dr. med. Christina Willer, fordert die politisch Verantwortlichen auf, sich in der Debatte um das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG) ehrlich zu machen.

„Wenn der ambulanten Versorgung wie geplant ab dem Jahr 2027 rund 2,7 Milliarden Euro weniger zur Verfügung stehen sollen – was für Sachsen-Anhalt 50 Millionen Euro bedeutet –  drohen spürbare Einschnitte in der ambulanten Versorgung. Denn dies wird zusammen mit den bereits jetzt unterbezahlten und unbezahlten Leistungen durch Budgetierung die wirtschaftliche Basis der Praxen weiter untergraben“, äußert sich die Magdeburger Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Konkret gehen aktuelle Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt davon aus, dass allein im letzten Jahr dem ambulanten Bereich durch Budgetierung 82 Millionen Euro entzogen wurden. In diesem Umfang wurden vollständig erbrachte Leistungen also nicht vollständig oder auch gar nicht durch die Krankenkassen vergütet. Weiter wird davon ausgegangen, dass die zusätzlichen Einbußen durch das GKV-BStabG im Durchschnitt bei 11.000 Euro pro Arzt oder Ärztin jährlich liegen würden, im Extremfall könnten es jedoch auch 50.000 Euro pro Arzt oder Ärztin sein.

„Dies kann keine Praxis so einfach wegstecken“, so Willer weiter. Dabei gehe es nicht um Gewinnstreben. Es gehe vielmehr darum, dass manche Praxis mittlerweile in ihrer Existenz bedroht sei. Bereits seit vielen Jahren stiegen die Ausgaben in den Praxen stärker als die Einnahmen. Darauf wiesen etwa Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung hin, aber auch zahlreiche Berichte der Kolleginnen und Kollegen selbst. „Wir sind jetzt langsam an einem Punkt angelangt, wo viele Kolleginnen und Kollegen meinen, dass es so nicht mehr weitergeht“, teilt die Sachsen-Anhaltinische Hartmannbund-Landesvorsitzende mit. Komme das Gesetz wie geplant, sei erwartbar, dass nicht wenige Praxen ihre Sprechstundenzeit auf das gesetzliche Mindestmaß von 25 Wochenstunden reduzieren und eine Nebentätigkeit als Privatarzt ausübten.

Nicht zuletzt seien angesichts dieser finanziellen Unsicherheiten und fehlenden Planungssicherheit weniger Ärztinnen und Ärzte bereit, das Wagnis einzugehen und eine Vertragsarztpraxis zu übernehmen oder zu gründen. Diese Entwicklung könne der gesamten ambulanten Versorgung massiven Schaden zufügen.

Der Hartmannbund Sachsen-Anhalt warnt vor diesen Entwicklungen und fordert zugleich Patientinnen und Patienten dazu auf, die Vertragsärzteschaft zu unterstützen, beispielsweise durch Schreiben an Medien oder an die Bundespolitik.