Die heute bekannt gewordene Einigung zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband in den Finanzierungsverhandlungen auf eine Erhöhung des Orientierungswertes (OW) um 2,2 Prozent ist aus Sicht des Vorsitzenden des Hartmannbund Landesverbandes Thüringen, Dr. Jörg Müller, noch immer deutlich zu wenig. „Eine Punktwerterhöhung von 2,2 Prozent bildet weder die Personalkostensteigerungen in den Praxen ab, schon gar nicht weitere Gesamtkosten in den Praxen wie Energiekosten oder Praxisbedarf. Faktisch wird die Unterfinanzierung der Praxen somit weiter sinken und die Entwicklung, dass die Ausgaben in den Praxen stärker wachsen, als die Einnahmen, setzt sich ungebrochen fort“. Bestätigt werde dieser Trend nicht nur durch offizielle Daten wie etwa des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (*) sondern zunehmend auch von den Vertragsärztinnen und Vertragsärzten selbst, die von einer wirtschaftlich immer schwierigeren Situation berichteten.
„Auch wenn es einige nicht gern hören: die anhaltende Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung und Budgetierung ist wesentliche Ursache für die grassierende Terminknappheit und auch die mangelnde Motivation junger Ärztinnen und Ärzte für die Niederlassung. Wie sollen wir Nachwuchs für die Niederlassung motivieren, wenn die Belastung stetig zunimmt, gleichzeitig das Honorar sinkt und die Arbeitszeit immer mehr von medizinisch unnötiger Bürokratie aufgefressen wird?“, macht der Geraer Facharzt für Augenheilkunde deutlich.
Für Müller zeigt dieses Ergebnis, dass das bisherige Verfahren zur Bestimmung des Orientierungswertes überholt ist. Es stellte sich aber zunehmend auch die Frage, ob nicht das gesamte Vergütungssystem überholt werden müsse. „Bereits vor zehn Jahren lieferte etwa das Neubauer-Gutachten Belege dafür, dass vertragsärztliche Praxen in ländlichen Regionen betriebswirtschaftlich nicht tragfähig seien. Vor diesem Hintergrund wirken die intensiven Bemühungen etwa der Kassenärztlichen Vereinigungen, zukünftige sowie fertige junge Ärztinnen und Ärzte mit Anreizen für die vertragsärztliche Versorgung zu gewinnen, wie ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so der Thüringer Hartmannbund-Landesvorsitzende abschließend.