Das Problem ist hinlänglich bekannt, eine politische Lösung weiter nicht in Sicht. Thüringen bildet fleißig Humanmedizinstudierende aus – geschätzt über 500 Studienanfänger pro Jahr [1] – kann daraus aber kaum Kapital schlagen, denn nur ein Bruchteil der in Thüringen ausgebildeten Humanmedizinstudierenden verbleibt nach der Approbation im Freistaat [2].
Dabei hat sich der Mangel an Ärztinnen und Ärzten in den letzten Jahren noch verschärft, für alle offenkundig erkennbar am unterbesetzten Öffentlichen Gesundheitsdienst, einer steigenden Zahl offener Stellen in den Kliniken oder auch im vertragsärztlichen Bereich (allein im hausärztlichen Bereich knapp einhundert offene Vertragsarztsitze) [3].
Vor diesem Hintergrund schlägt der Hartmannbund Thüringen vor, die ersten beiden Jahre der ärztlichen Weiterbildung in Thüringen finanziell zu fördern. Dr. med. Dario Lucas Bergmann, Co-Vorsitzender des Landesverbandes führt aus: „Viele frisch approbierte Ärztinnen und Ärzte sind in Bezug auf die Wahl ihrer ersten beruflichen Station noch offen. Wenn es gelingen würde, einige der Thüringer Humanmedizinabsolventen durch ein Stipendium zu motivieren, im Freistaat zu bleiben, könnte dies den besagten und beklagten omnipräsenten Personalmangel in nahezu allen ärztlichen Bereichen mildern. Im Idealfall stünde dann nach einer ein oder zweijährigen Tätigkeit in Thüringen die Motivation der jungen Mediziner, länger oder sogar ganz hier zu bleiben – der sogenannte „Klebeeffekt“. Und selbst in dem Fall, dass die Stipendiaten nach Ablauf der Förderung Thüringen verließen, hätte diese dazu beigetragen, dass potentielle Thüringen-Abwanderer länger hiergeblieben wären als ursprünglich beabsichtigt – was auch Vorteile hätte“.
Argumentative Unterstützung bietet eine aktuelle, nicht repräsentative Umfrage des Thüringer Hartmannbundes unter mehr als 100 Thüringer Medizinstudierenden (siehe Abbildungen). Von diesen planen aktuell mehr als 54 Prozent, nach dem Studium dem Freistaat den Rücken zu kehren und liegen damit voll im bekannten Trend. Bei einem finanziellen Anreiz könnten sich jedoch zwei Drittel dieser abwanderungswilligen Nachwuchsmediziner vorstellen, zu bleiben. Ließen sich die Zahlen aus der Umfrage tatsächlich hochrechnen, wäre dies allein am Universitätsklinikum Jena ein Potential von knapp 100 Ärzten pro Jahr, die dem Freistaat erhalten blieben [4] [5].
Bergmann abschließend: „Wir betreiben zur Zeit viel Aufwand, sowohl bei der deutschlandweiten und auch internationalen Suche nach Ärztinnen und Ärzten als auch für die Medizinische Ausbildung. Dabei wir lassen das im Land vorhandene Potential weitgehend ungenutzt. Wäre es nicht sinnvoller, bestehende Ärztinnen und Ärzte zu halten, als sie mühsam von anderswo abzuwerben? Bei einem Stipendium von 5.000 Euro jährlich lägen die Kosten für 200 geförderte Nachwuchsstellen bei 1.000.000 Euro im Jahr – das sollten eher ‚Peanuts‘ angesichts der zu erwartenden Stärkung der ärztlichen Versorgung in Thüringen sein“.