Hartmannbund im Deutschlandfunk: „Es braucht einen Kulturwandel im Krankenhaus“

Wachsender Aufgabenberg, viel Verantwortung und zu wenig Zeit: In der aktuellen Folge des Deutschlandfunk-Podcasts „Zeitfragen“ schildern junge Ärzt:innen ihre Herausforderungen beim Berufseinstieg – vor allem im Krankenhaus. Zu Gast ist auch Jan Baumann, Stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Bayern im Hartmannbund. Er fordert einen „Kulturwandel“ im Krankenhaus.

Im Gespräch macht Baumann unter anderem deutlich, dass in Kliniken aktuell zu viel Bürokratie herrsche, die insbesondere von jungen Kolleg:innen bewältigt werden müsse. Die Folge: wachsende Unzufriedenheit. Dies hat bereits eine frühere Umfrage des Hartmannbundes unter rund 500 Ärzt:innen in Weiterbildung ergeben. Rund ein Drittel der Befragten gab an, während der Weiterbildungszeit daran gedacht zu haben, den Job aufzugeben. Zu den Hauptgründen gehörten die Arbeitsbedingungen. Bei knapp 70 Prozent wurden beispielsweise Pausenzeiten nicht eingehalten, jeweils 40 Prozent berichteten über eine mangelhafte Personalsituation und nicht oder nur eingeschränkt dokumentierte Überstunden.

„Ärzt:innen und vor allem Assistenzärzt:innen müssen strukturelle Defizite im System oftmals kompensieren“, kritisiert Baumann. Als Lösung fordert er einen „Kulturwandel“ im Krankenhaus. Dabei sollte sich wieder auf die eigentlich ärztliche Tätigkeit besonnen werden. „Wenn dies gelingt, können sich auch die Arbeitsbedingungen verbessern“, erklärt Baumann, der einige Ansatzpunkte sieht.

Allem voran brauche es einen Digitalisierungsschub, denn dadurch könnte der enorme Dokumentationsaufwand verringert werden. Außerdem spricht sich Baumann für eine bessere Zeiterfassung, mehr Teamwork, möglichst flache Hierarchien und New Work-Ansätze aus, bei denen beispielsweise einige Arbeitsabläufe in das Homeoffice verlegt werden könnten. „Das Gesundheitswesen braucht mehr Teamspirit“, so Baumanns Fazit.

Die gesamte Podcastfolge gibt es hier: Warum der Berufseinstieg für Ärztinnen und Ärzte so hart ist