Mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung sind weiblich. Dennoch besteht nicht nur in puncto Gleichstellung Nachholbedarf, sondern auch im medizinischen Bereich. Denn: Das Thema Frauengesundheit wird oft vernachlässigt, kritisiert die Allianz für Frauengesundheit – ein interdisziplinäres Bündnis von Expert:innen aus Wissenschaft, Medizin, Versorgung, Politik, Forschung, Wirtschaft und Industrie sowie Betroffenen. „Frauen sind keine Mini-Männer“, lautet die klare Botschaft.
Im Rahmen der Gründungsveranstaltung der Allianz für Frauengesundheit kamen zahlreiche Expert:innen zusammen, um einmal mehr auf die Bedeutung des Themas aufmerksam zu machen, Lücken aufzuzeigen, aber auch Handlungsoptionen zu entwickeln. Denn klar ist: „Gendergesundheit ist kein kurzfristiger Trend, sondern sollte die Zukunft der Versorgung sein“, wie Dr. Christiane Schenderlein, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), zum Auftakt betonte. Daher setzt sich auch das BMG dafür ein, Frauengesundheit in allen Lebenslagen zu stärken. Demnach dürfe die Versorgung von Patient:innen nicht universell geplant werden, sondern müsse sich immer am persönlichen Bedarf orientieren.
Um eine geschlechtersensible Medizin zu ermöglichen, bilden jedoch Daten die Grundlage. Genau daran fehle es jedoch hierzulande. Stichwort Gender Data Gap. „Frauen werden in Deutschland noch immer auf Grundlage von Daten versorgt, die ihre Lebensrealität häufig nur unzureichend abbilden. Die Folgen reichen von verspäteten Diagnosen über vermeidbare Nebenwirkungen bis hin zu ungerechten Versorgungsentscheidungen“, lautet auch das Fazit des Runden Tisches der Frauen im Gesundheitswesen. Es besteht somit Nachholbedarf, wie auch Forschungsministerin Dorothee Bär bei der Allianz für Frauengesundheit klarstellte. „Beim Thema Frauengesundheit ist Deutschland noch ein Entwicklungsland, aber wir werden das gemeinsam ändern.“
Denn eine gestärkte Frauengesundheit kann auch ein Motor für Wertschöpfung sein: Das BIP könnte demnach um rund 1 Prozent höher ausfallen, wenn Frauen nicht länger knapp ein Drittel ihres Lebens in schlechter Gesundheit verbringen, machten Sabine Gogolok und Clarissa Kurscheid in ihren Impulsvorträgen deutlich. Dafür müssen zunächst die gravierenden Wissenslücken geschlossen und Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Gesundheit anerkannt werden. „Frauen sind keine Mini-Männer“, so das Fazit.
Doch Wissen allein genügt nicht, sondern es braucht auch Investitionen. Bisher fließen nur knapp 4 Prozent der Forschungsgelder in den Bereich Frauengesundheit. Das soll sich ändern, so Schenderlein und betont, dass das BMG ein entsprechendes Fördervolumen im Bereich Frauengesundheit bereitstellt. Sind die Wissens- und Investitionslücke erst einmal geschlossen, wirkt sich dies auch auf die Versorgungslücke aus, die es ebenfalls zu schließen gilt.
Auch der Hartmannbund unterstützt die Allianz, um Frauengesundheit weiter in den Fokus zu rücken und Frauen in allen Lebenslagen zu stärken.
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