Rund jede/r dritte ambulant Angestellte kann sich eine Niederlassung vorstellen. Das ergab eine Umfrage zu Karrierewegen in der ambulanten Versorgung, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) durchgeführt hat. Die ambulante Anstellung sehen viele Befragte dabei als Orientierungs- oder Vorbereitungsphase auf die spätere Selbstständigkeit.
Im Rahmen der Zi-Studie „Karrierewahl und Existenzgründung“ wurden zwischen Ende Januar und Ende April 2025 mehr als 3.200 angestellte Ärzt:innen sowie Psychotherapeut:innen zu ihrer aktuellen beruflichen Situation, ihren Karriereoptionen und Zukunftsplänen befragt. Dabei standen unter anderem die Niederlassungsbereitschaft, aber auch die Zufriedenheit mit der aktuellen Tätigkeit und Erfahrungen mit verschiedenen Informations- und Beratungsangeboten im Fokus.
In puncto Niederlassung sprachen sich knapp 15 Prozent der Befragten dafür aus, etwa 22 Prozent sind derzeit noch unentschlossen. Die aktuelle berufliche Situation mit einer ambulanten Anstellung betrachten rund 30 Prozent als Übergang in die Niederlassung (14 Prozent) beziehungsweise als Phase beruflicher Orientierung (16 Prozent). Besonders groß fällt die Niederlassungsbereitschaft bei den jüngeren Teilnehmer:innen aus: Bei den 35- bis 39-Jährigen bejaht rund ein Drittel den Schritt in die Selbstständigkeit, bei den unter 35-Jährigen sind es sogar vier von zehn Befragten.
Auf die Grundgesamtheit von rund 55.000 ambulant Angestellten übertragen, zeigen die gewichteten Befragungsanteile: Etwa 8.000 Beschäftigte hegen eine konkrete Niederlassungsabsicht. Weitere rund 12.000 schließen diesen Schritt nicht aus, zeigen also ebenfalls eine gewisse Niederlassungsbereitschaft.
„Unsere Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Für viele in der ärztlichen oder psychotherapeutischen Versorgung Tätige ist die ambulante Anstellung ein wichtiger Teil des Weges in die eigene Praxis“, heißt es vom Zi. Daher sollte die Debatte über Anstellung und Niederlassung nicht als „Entweder-oder-Entscheidung“ geführt werden, sondern mit weniger Bürokratie, verlässlichen Rahmenbedingungen und gezielter Unterstützung dafür gesorgt werden, dass die vorhandene Niederlassungsbereitschaft auch umgesetzt wird.
Hinzukommt, dass die im GKV- Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossenen Maßnahmen zu einem Vertrauensverlust bei den Praxen führen und damit die Bereitschaft senken könnten. „Wer sich eine Niederlassung grundsätzlich vorstellen kann, scheitert oft nicht an der Versorgungsidee, sondern an der Sorge vor Bürokratie, wirtschaftlichen Risiken und organisatorischer Überforderung.“ Umso wichtiger seien frühzeitige, niedrigschwellige und möglichst konkrete Hilfen, beispielsweise bei der Finanzierung, Abrechnung und der Vereinbarkeit mit dem Privatleben. Und auch gezielte Informationsmaßnahmen werden gefordert, und zwar orientiert am jeweiligen Entscheidungsstand.