„Psychiatrie menschenfreundlich machen“: Stigmatisierung beenden, Versorgung verbessern

„Verantwortung für seelische Gesundheit und Teilhabe – Hilfeangebote stärken und Ausgrenzung vermeiden“ – unter diesem Motto steht die Jahrestagung der Aktion Psychisch Kranke e. V. statt. Denn hinsichtlich einer angemessenen Versorgung von psychisch Erkrankten gibt es deutlichen Nachholbedarf. Stichworte Zwangsmaßnahmen, Stigmatisierung und Co. Umso wichtiger ist es, dem entgegenzuwirken. Das klare Ziel: „Psychiatrie menschenfreundlich machen.“

Im Fokus der Auftakt-Pressekonferenz mit Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB (Vorsitzende der Aktion), Prof. Dr. Peter Brieger (stellvertretender Vorsitzender), Prof. Dr. Katarina Stengler (Vorstand) standen die großen Herausforderungen in der psychiatrischen Versorgung: Bürokratische Hürden, spürbarer Kostendruck und eine zunehmende Stigmatisierung psychisch Erkrankter in der Öffentlichkeit.

So warnten die Expert:innen der APK vor einer pauschalen Verknüpfung von Gewalt Taten mit psychischen Erkrankungen in der öffentlichen Berichterstattung. Solche verkürzten Diskurse würden den Blick auf echte Hilfeleistungen versperren und Ausgrenzung sowie Teilhabebarrieren verstärken. Der Begriff „Psychiatrie“ sei nicht grundlegend negativ behaftet. Zudem gelte: Zwangsmaßnahmen reduzieren keine Gefährdungen, sondern erhöhen vielmehr die Barrieren für echte gesellschaftliche Teilhabe.

Außerdem brauche es neue Versorgungsstrukturen: Denn weil sich der Versorgungsbedarf in den letzten Jahren verdoppelt hat, greift die Forderung nach einem reinen „Mehr“ an Einrichtungen zu kurz. Angesichts ökonomischer Grenzen braucht es clevere, alternative Lösungen und eine flächendeckende Flexibilisierung der Versorgung. Erfolgreiche Modellprojekte belegen bereits, wie eine engere Verzahnung von ambulanter und stationärer Behandlung gelingen kann. „Wir müssen den ambulanten Bereich umgestalten. Wir brauchen eine bessere Krisen- und Notfallversorgung, mehr Flexibilität und Lebensweltorientierung in der Krankenhausbehandlung und eine andere Einbindung der Haus- und Fachärzteschaft“, erklärt hierzu Prof. Peter Brieger.

Vor allem Hausärzt:innen spielen als erste Anlaufstelle eine zentrale Rolle in der Primärversorgung. Damit Patient:innen barrierearm und gezielt weitergeleitet werden können, müssen niedergelassene Kolleg:innen entsprechend aufgestellt und unterstützt werden – auch wenn hierbei aktuell noch zahlreiche Hürden bestehen.

Mit Blick auf die anstehenden Reformen und den wachsenden Strukturdruck im Gesundheitssystem machte die Tagung deutlich: Eine menschenfreundliche Psychiatrie erfordert ein regional verankertes, gut vernetztes System, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Zusammenarbeit über alle Versorgungsebenen hinweg stärkt.

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