| Steigender Effizienzdruck, begrenzte Ressourcen und eine zunehmende Regulierungsdichte prägen den Alltag in Praxen und Kliniken. Vor diesem Hintergrund widmete sich die Veranstaltung aus der Reihe „Ethik und Recht“ einer der drängendsten Zukunftsfragen unserer Gesundheitsversorgung: Wie frei können Ärzt:innen heute noch im Sinne ihrer Patient:innen entscheiden?
Unter der Moderation von Dr. Moritz Völker, Notfallmediziner, Vorsitzender der Jungen Ärztinnen und Ärzte und Vorstandsmitglied im Hartmannbund, diskutierten Vertreter:innen aus Wissenschaft, Ethik und Praxis über das Spannungsfeld zwischen medizinischem Ethos und ökonomischen Sachzwängen. |
![]() |
| In einer lebhaften Debatte beleuchteten die Expert:innen die Auswirkungen der aktuellen Rahmenbedingungen und geplanten Reformen im Gesundheitswesen. Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes, fand dabei deutliche Worte zur Grundausrichtung des Systems: „Es darf keine Kommerzialisierung des Gesundheitswesens erfolgen.“
Dass Ökonomie und Medizin jedoch nicht zwangsläufig gegensätzliche Pole sein müssen, betonte Prof. Dr. h.c. Achim Wambach, Präsident des ZEW: Die Medizin habe wie jedes Feld in der Wirtschaft begrenzte Ressourcen. Es gebe daher nicht direkt einen Konflikt zwischen Medizin und Ökonomie, sondern es komme darauf an, wie diese Ressourcen genutzt werden. Dabei dürfe nicht nur die Forderung nach mehr Geld verfolgt werden – ebenso wichtig sei der gezielte Effizienzgewinn. Aus der klinischen Praxis mahnte Prof. Dr. Uta Schick, Chefärztin der Neurochirurgie am Clemenshospital Münster, unter anderem vor Einsparungen an den falschen Stellen: „Wir dürfen nicht an ärztlicher Qualität sparen, denn dann wird es gefährlich für das Patientenwohl.“ Gemeinsam mit Michael Schmidt, Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses Hubertus in Berlin, sowie den zahlreichen Gästen im Publikum verständigte sich das Podium darauf, dass die Balance im Alltag eine ständige Herausforderung bleibt. |
|
Die Diskussion machte eine klare Kernbotschaft deutlich: Im derzeitigen Gesundheitssystem können Ärzt:innen ihre Entscheidungen nie völlig frei von externen Einflüssen treffen. Sie bewegen sich stets in einem engen Korsett aus Abrechnungssystemen, rechtlichen Vorgaben und finanziellen Budgetierungen. Es braucht grundlegende systemische Anpassungen, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit zu sichern, ohne die ärztliche Entscheidungsfreiheit einzuschränken. Der Hartmannbund wird sich auf politischer Ebene weiterhin genau dafür einsetzen.
Alle Informationen zu weiteren Veranstaltungen der Reihe gibt es hier: Seminartermine » Hartmannbund