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Ausschuss "Ärztinnen im Hartmannbund"

Ausschuss "Ärztinnen im Hartmannbund"

Der Ausschuss widmet sich den Herausforderungen, die die steigende Zahl weiblicher Medizinstudenten und auch der wachsende Frauenanteil in der Ärzteschaft mit sich bringen, sowie den immer noch ungelösten Problemen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der mangelnden Präsenz weiblicher Führungskräfte in der Medizin.
 

Sprecherinnen

Geschäftsführung

Dr. Sabine Wedekind,
Angestellte Fachärztin für Innere Medizin
in der Niederlassung (Hamburg)

Petra Meiners, Hartmannbund (Berlin)

Sabine Eckhardt, Hartmannbund (Berlin)

Dr. Dr. Galina Fischer,
Ärztin in Weiterbildung (St. Gallen/CH)

Anne Marie Schneider, 
Ärztin in Weiterbildung (Dresden)

 

Ausschussaktivitäten

Initiatorinnen und Referentinnen des 1. Hartmannbund-Frauentags: Dr. Gerlinde Kempendorff-Höhne, Prof. Anke Lesinski-Schiedat, Dr. Sabine Wedekind, Dr. Antonia Stahl, Dr. Dr. Galina Fischer, Prof. Uta Meier-Gräwe

Hartmannbund Ärztinnentag 2019

Immer wieder liest man von der Feminisierung der Medizin – nur weil der Anteil der Ärztinnen in der Versorgung steigt. Langsam kommt der hohe Anteil an weiblichen Studierenden innerhalb der Humanmedizinstudierenden auch in der Versorgung an. Was bedeutet das für das Arbeiten als Ärztin? Kommen Ärztinnen auch in den Führungsetagen an, und ist die Honorierung angemessen, vergleichbar mit der der Ärzte? Um diese Fragen gemeinsam zu diskutieren und Netzwerke zu knüpfen, hatte der Ausschuss Ärztinnen des Hartmannbundes am 2.3.2019 nach Berlin zum 1. Hartmannbund-Ärztinnentag eingeladen. Im Mittelpunkt standen drei Referentinnen:

Frau Univ.-Prof. em. Dr. Uta Meier-Gräwe, Soziologin, referierte zu „Wie Ärztinnen persönliche Karriere-Ziele erreichen und wie wir die Position von Ärztinnen in ihrer Arbeitswelt stärken – wider den Gender-Pay-Gap und veraltete Rollenmuster“. Gegen die Erwartung aller musste Frau Prof Meier-Gräwe berichten, dass im „Globalen Gender Report 2018“ Deutschland innerhalb der letzten 12 Jahre im Vergleich zu den Fortschritten anderer Länder um 12 Positionen gesunken ist – auf Position 18. Sie erinnerte daran und zeigte es auch für den gesundheitswirtschaftlichen Arbeitsbereich auf, dass gemischt-geschlechtliche Führungsspitzen deutlich bessere Ergebnisse erzielen. Um das aber nachhaltig zu erreichen, müssten gerade auch in Krankenhäusern die in anderen Wirtschaftsfeldern bereits erhobenen Zweifel an den klassischen hierarchischen Führungsstrukturen aufgebrochen werden. Neben dieser klassischen Auffassung von Hierarchie behindert ein weiteres jahrelang gepflegtes Image die Entwicklung von Frauen: einerseits wird die Mutterschaft glorifiziert und andererseits die Wissenschaft. Wie auch im nicht-ärztlichen Arbeitsumfeld führt immer noch Mutterschaft nicht nur in der Krankenversorgung sondern auch in der Forschung zur Ausgrenzung. Die nicht mehr zeitgemäßen Mutterschutzregelungen und die Vorurteile auch der „forschenden Chefs“ behindern die Entwicklungsmöglichkeiten von Ärztinnen in einer wichtigen Phase der Karriere.

Die Entwicklungsmöglichkeiten werden durch eine unterschwellige Befürchtung der sog. „Feminisierung der Medizin gebremst. Der Feminisierung wird unterstellt, dass durch die Mutterschaft der Ärztinnen, durch das fehlende selbstlose Handeln der Chirurginnen die klinische Versorgung der Bevölkerung gefährdet sei und Potential in der Forschung verloren gehen würde. Folgerichtig wird eine Männerquote oder der Zuzug ausländischer Ärzte gefordert.

Grundsätzlich wird die Priorisierung in allen Arbeitsbereichen von den Führungskräften festgeschrieben. Folgerichtig: solange Lehrstühle und Chefarztpositionen nicht auch mit einem höheren Frauenanteil besetzt sind, ändert sich an der Medizin, an der Lehre und der Forschung nichts. Der Aufbau effektiver Netzwerke, die gerade in der mittleren Arbeitsphase aufgebaut und belebt werden können, erfährt eine deutliche Behinderung, wenn die Frauen in dieser Phase keine Chance zur Wiedereingliederung nach der initialen Kinderphase erhalten. Grade diese Netzwerke sind aber wichtig, um Ärztinnen Vorbild und Motivation zu sein.

Mit den inhaltlichen Asymmetrien ist auch ein wirtschaftliches Ungleichgewicht verbunden, welches vom geringeren Einkommen bis hin zur Alterssicherung reicht. Diese Tatsache, die auch für Ärztinnen gilt, insbesondere weil viele lange in Teilzeitarbeitsverhältnissen verbleiben, ist eine immer wieder unterschätzte Tatsache. Es wurde diskutiert, ob der HB eine Art Headhunter-Berater-Funktion bei Fragen der Vertragsverhandlungen einnehmen könne. Zumindest scheint der HB die richtige Plattform für ein effizientes Netzwerk an Erfahrungsaustausch und ggf. Mentoring zu sein. Schlussendlich muss es das Ziel des Hartmannbundes aus Sicht von Frau Prof Meier-Gräwe sein, dass die homosoziale Kooptation auch bei Ärztinnen zu einer gegenseitigen Förderung führt. Diese Kooptation kann die Folge eines Ärztinnen-Netzwerkes sein und ist die Grundlage für einen zukünftig höheren Anteil an weiblichen Führungskräften. Dafür wird sich der Hartmannbund einsetzen. Ob das mit einer Quote verbunden sein muss, wurde divers diskutiert.

Frau Dr. Gerlinde Kempendorff-Höhne erläuterte und demonstrierte mit rhetorischer Perfektion zum Thema „Frauen reden anders. Männer auch. Gut zu wissen.“ Spätestens nach diesem Vortrag wurde klar, dass die Techniken der Kommunikation auch für Ärztinnen außerordentlich wichtig sind – und dass diese durchaus anders als bei Ärzten sind. Diese Techniken können besonders in der Gesundheitswirtschaft erfolgreicher sein als die Kommunikationstechniken der männlichen Kollegen. Nicht nur deshalb sollten sie angewendet werden. Der Mangel an ärztlichem Personal muss ermutigen, sich auf Herausforderungen einzulassen und neue Wege für die Zielerreichung zu beschreiten. Darin sind sich alle Referentinnen einig – auch Frau Dr. Antonia Stahl. Mit viel Enthusiasmus, klarem Blick für das eigene Ziel, Teambuilding auf neuen Terrain und klaren Ansagen in alle Richtungen gründete sie eine eigene Praxis. Selbstständigkeit als Unternehmerin vorgelebt – ohne die Tücken des täglichen Arbeitens als Arbeitgeberin zu beschönigen – eine ermutigende Erfahrung.

Der 1. HB Ärztinnentag wurde durch ein beeindruckendes Referat von Frau Prof Meier-Gräwe eingeleitet und hat die Struktur für diese künftig jährlich vorgesehene Frühjahrskonferenz vorgegeben (Autorin: Prof. Anke Lesinski-Schiedat)

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