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Allgemeinmedizin

Förderung ohne Zwangsmaßnahmen!

Seit einigen Jahren widmet sich die Politik verstärkt dem Thema Allgemeinmedizin. Grund dafür ist der prognostizierte Mangel an Hausärzten – vor allem in den ländlichen Regionen. Vor diesem Hintergrund haben sich bereits vor einigen Jahren Interessenorganisationen und zum Teil auch Bundesländer dafür stark gemacht, ein allgemeinmedizinisches Pflichttertial im Praktischen Jahr (PJ) einzuführen. Im Rahmen der Änderung der Approbationsordnung im Jahr 2012 erreichte diese Diskussion ihren Höhepunkt – mit dem Ergebnis, dass die Bundesländer einen Pflichtabschnitt im Bundesrat mehrheitlich ablehnten.

An diesem Erfolg hatten auch die Medizinstudierenden im Hartmannbund ihren Anteil, die sich mit zahlreichen Aktionen direkt an den Fakultäten oder mit Briefen an die Landesregierungen dafür eingesetzt haben, dass die Einführung eines solchen Pflichtabschnitts gestoppt wird.

Damals und auch heute ist die Allgemeinmedizin aus Sicht der Medizinstudierenden auf einem guten Weg – zum Beispiel durch die zunehmende Anzahl an Lehrstühlen, mehr Forschung, die Einführung des Blockpraktikums Allgemeinmedizin und der Famulatur in der hausärztlichen Versorgung sowie der gesetzlich fixierten Möglichkeit, dass ab Oktober 2019 alle Studierenden ein PJ-Wahltertial in der Allgemeinmedizin absolvieren können.

Grundsätzlich sind die Medizinstudierenden im Hartmannbund der Meinung, dass die Allgemeinmedizin noch lange nicht dort ist, wo sie hingehört – nämlich viel stärker an den Anfang des Studiums und studienbegleitend darin integriert.

Eine Bestätigung, dass die Allgemeinmedizin im Studium viel zu spät einsetzt, lieferte die Hartmannbund-Umfrage „Medizinstudium 2020 Plus“ von 2014: 36 Prozent der mehr als 7.500 Teilnehmer hatten noch nie eine regelmäßig stattfindende Lehrveranstaltung in der Allgemeinmedizin: knapp 15 Prozent bereits in der Vorklinik; knapp 30 Prozent erst zwischen dem 5. und 7. Semester; knapp 20 Prozent sogar erst zwischen dem 8. und 10. Semester. Etwa die Hälfte der Befragten schätzte ihr Wissen im Fach Allgemeinmedizin eher durchschnittlich (gut bis befriedigend) ein.

Diesen noch immer vorhandenen Defiziten sollte mit Blick auf die Veränderungen der Approbationsordnung im Jahre 2012 allerdings nicht mit noch mehr Verpflichtungen begegnet werden. Vielmehr sollte sich im Studium und vor allem auch in der späteren Weiterbildung darauf konzentriert werden, das Ansehen des praktizierenden Allgemeinmediziners weiter zu stärken und die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin attraktiver zu gestalten. Weitere Zwangsmaßnahmen weisen in die falsche Richtung. Zunächst sollten die Auswirkungen der bereits angeschobenen Maßnahmen (Blockpraktikum, Famulatur, PJ-Wahltertial) abgewartet werden.

In diesem Zusammenhang weisen die Medizinstudierenden im Hartmannbund darauf hin, dass die weitere intensive Förderung der Allgemeinmedizin nicht dazu führen darf, dass andere und für die ambulante Versorgung ebenfalls relevante Fachrichtungen vernachlässigt werden.

Vorstellen könnten sich die Medizinstudierenden im Hartmannbund hingegen eine Quartallösung im PJ: Dies wäre eine sinnvolle Lösung, um den Studierenden mehr Wahlfreiheit zu ermöglichen und die Chance zu bieten, mehr Fachrichtungen auszuprobieren. Dies bestätigen auch die Umfrageergebnisse: 75 Prozent der mehr als 7.500 Befragten favorisieren zwei Pflichtquartale in der Inneren Medizin und Chirurgie sowie zwei Wahlquartale. Vor dem Hintergrund der aufgezeigten fehlenden Abbildung der ambulanten Versorgung im Studium gehen die Medizinstudierenden im Hartmannbund noch einen Schritt weiter: Nicht nur die Allgemeinmedizin, sondern die ambulante Versorgung in ihrer Gesamtheit sollte im PJ abgebildet werden. Das heißt konkret, jeder Studierende sollte die Möglichkeit erhalten, eines der beiden neugeschaffenen Wahlquartale in der ambulanten Versorgung ableisten zu können. Dies soll bei Haus- wie Fachärzten – in Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis oder in Medizinischen Versorgungszentren – möglich sein.

Mehr Informationen zu den Positionen rund um das Thema „Allgemeinmedizin“ findet ihr auch in unserer Stellungnahme zum Masterplan Medizinstudium 2020.

"Wir müssen lernen, mit einem Ärztemangel umzugehen."

Dr. Philipp Ascher, Vorsitzender des LV Bayern und Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands, spricht sich im Interview mit den "Münchener Ärztlichen Anzeigen" gegen eine Landarztquote und Pflichtabschnitte im PJ aus:

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